Kreise, Spiralen und Formen

Kultur / 26.10.2021 • 20:26 Uhr
Die Werke von Judith P. Fischer erzählen vom atemlosen Um-Sich-Selbst-Drehen.
Die Werke von Judith P. Fischer erzählen vom atemlosen Um-Sich-Selbst-Drehen.

Judith P. Fischer zeigt im Bildraum Bodensee Objekte und Zeichnungen.

Bregenz Die Einzelausstellung Hula Hoop im Bildraum Bodensee versammelt aktuelle Objekte und Zeichnungen von Judith P. Fischer aus den Jahren 2020/2021 und setzt sie teils in Beziehung zur regionalen Kultur Vorarlbergs. Die Bildhauerin zeigt in ihren Objekten eine aufs Minimum reduzierte, aber dennoch höchst sinnliche Formensprache, verbindet jedoch die Form des Hula-Hoop-Reifens nicht nur mit Assoziationen von Bewegung, Spiel und Vergnügen.

Interessanter Vorarlberg-Bezug

Die Objekte entstanden während der Corona-Pandemie, in der wir auf uns selbst und die Begegnung auf Distanz reduziert wurden. Als die Fitnessstudios schließen mussten, versorgte Frau sich mit einem Hula-Hoop-Reifen fürs Wohnzimmer, der danach in einer Ecke landete. Aus dem Gedanken entstand die Installation Hula Hoop, gebaut aus 48 Reifen. Kreise, Formen und Spiralen aus pulverbeschichtetem Rundstahl vermitteln das Erleben eines begrenzten Raumes, eines immer enger werdenden Aktionsradius, erzählen aber auch von einem atemlosen Um-Sich-Selbst-Drehen und einer Welt, die durch einen gestörten Rhythmus ins Trudeln gerät. Der Vorarlbergbezug zur Ausstellung Hula Hoop besteht unter anderem darin, dass in den 1950er-Jahren in einer Harder Fabrik Unmengen an Hula-Hoop-Reifen hergestellt wurden. Gezeigt werden auch Objekte aus Vorarlberger Trachtenspitze, die mit Epoxidharz bearbeitet wurden.

Faszinierende Wirkung

Im nächsten Raum zeigt die Künstlerin von ihr bearbeitete Polster, die sie in unterschiedliche Formen zusammengedrückt und mit farblosem Epoxidharz in mehreren Schichten behandelt hat, genauso wie man den Rumpf eines Schiffes wasserfest macht. Zusätzlich füllte sie die Polster auch mit demselben Harz, so dass diese zu kompakten Objekten wurden. So banal ein Polster auf den ersten Blick auch erscheinen mag, so begleitet es uns durchs Leben, ist Ausdruck von Liebe, Geborgenheit, Krankheit, Intimität und Erotik.

Judith P. Fischer richtet den Blick auf das unmittelbare Umfeld. So bezieht sich etwa die Zeichnung „Obdachlos, 2020“ auf die Situation von Menschen am Rand der Gesellschaft, die von den Einschränkungen während der Corona-Pandemie besonders schwer betroffen waren und in den leeren Straßen am Anfang der Pandemie sichtbar wurden wie nie zuvor.

Mit der Kraft der Abstraktion öffnet die oberösterreichische Künstlerin ein weites Themenfeld, das ausgehend vom kleinsten gemeinsamen Nenner, dem Individuum, immer weitere Kreise zieht und schließlich die ganze Einheit des Lebens umfasst. YAS

Die Objekte entstanden während der Corona-Pandemie. Petra Rainer
Die Objekte entstanden während der Corona-Pandemie. Petra Rainer

Finissage und Gespräch mit der Künstlerin: 28. Oktober um 19 Uhr im Bildraum Bodensee.