Dann wurde der Orgel-Turbo gezündet

Kultur / 26.10.2021 • 20:26 Uhr
Organist Rudolf Berchtel wurde mit Standing Ovations bedacht. wipplinger
Organist Rudolf Berchtel wurde mit Standing Ovations bedacht. wipplinger

Rudolf Berchtel machte sein Jubiläum zum ausgelassenen Orgelfest.

DORNBIRN Rudolf Berchtel konnte nun in der Stadtpfarrkirche St. Martin im Rahmen des Festivals „Symphonische Orgelkunst“ sein 30-Jahr-Jubiläum als Organist mit einem imposanten Konzertprogramm gebührend untermauern. Gefeiert wurde auch die Wiedereinweihung seiner vertrauten „Hausorgel“, des wertvollen historischen Klangdenkmals, das Josef Behmann 1928 als technisch-musikalisches Wunderwerk geschaffen hat und das nach einer umfangreichen Renovierung im Topzustand erstrahlt.

Berchtel wählte dafür vor allem Musik aus, die dem symphonischen Klangideal dieses Instrumentes entspricht. Das sind drei Sätze aus den 24 Fantasiestücken des Franzosen Louis Vierne, die in ihrer Anlage, Thematik und Registrierung den Geist der damaligen Epoche heraufbeschwören. „Hymne au so­leil“ ist ein sonnig aufrauschendes Stück voll positiver Schwingungen, „Claire de lune“ eine verträumte Mond-Elegie in impressionistisch verschleierten Klängen im Geiste Debussys. Das Glanzstück dieser Suite, „Carillon de Westminster“, bringt endlich wieder einmal die kompositorisch genial umgesetzten Schläge des Londoner Big Ben mit dem eingebauten Glockenspiel zur Wirkung. Da ist Berchtel, das spürt man, voll in seinem Element, kniet sich lustvoll hinein in diese weichen, warmen und in wilden Steigerungen aufbrausenden Klangkaskaden und Solostellen.

Auch Zeitgenössisches

Dagegen will ein Block mit drei Choralbearbeitungen von Johann Sebastian Bach nicht so recht in die Gänge kommen. Klar gehört der Gottvater der Orgelmusik in ein solches Festprogramm, allein die Orgel besitzt in ihrem Registerangebot nicht jene Klarheit, die man sich für eine überzeugende Wiedergabe dieser kontrapunktisch verflochtenen Werke wünschen würde. Schön, dass Berchtel im Programm auch Zeitgenössisches seiner zwei Dornbirner Organistenkollegen berücksichtigt. Ein gängiger Name im Land ist Thomas Thurnher, der zwei praxisnahe Erstaufführungen beisteuert. „Méditation zu Sisyphos“ ist eine intensive, gut nachvollziehbare Auseinandersetzung mit der in Ausweglosigkeit verharrenden Figur der griechischen Mythologie, zögernd in kleinen Tonschritten aufwärts geführt, bis alles wieder am Anfang steht. „Cantus luminum“ wurde in St. Florian uraufgeführt, ein feierliches Orgelwerk, das in seinem Schreitcharakter vom Entzünden eines Lichtes immer kompakter zum strahlenden Feuer führt. „Eager Child“ von der aus Wien stammenden, am Konservatorium von Berchtel ausgebildete Christine Széchényi ist die originelle, tonal gehaltene Orgel-Skizze eines lebhaften Kindes.

Als Zugabe hat sich Berchtel noch ein Sahnehäubchen ausgedacht. Für die Vertreter der Schweizer Orgelbaufirma Kuhn, die die Renovierung durchführte, spielt er Teile aus Rossinis „Wilhelm Tell“-Ouvertüre. Dafür zündet er den Turbo der Orgel, die Hochdruckregister, die sogar die Phonzahl einer gut aufgestellten Rockgruppe übertreffen. Damit besitzt St. Martin nicht nur die größte, sondern auch die lautstärkste Orgel des Landes.

Von Thomas Thurnher und Christine Szécsény wurden Werke aufgeführt. Sit
Von Thomas Thurnher und Christine Szécsény wurden Werke aufgeführt. Sit

3. Konzert des Festivals „Symphonische Orgelkunst“ in Dornbirn-St. Martin: 21. November, 17 Uhr (Sonja Betten, Bad Ragaz)