Die Leistung gewichtiger Worte

Kultur / 24.10.2021 • 22:00 Uhr
Die Leistung gewichtiger Worte
Moderator Wolfgang Heyer interviewte die Vorarlberger Autorin Monika Helfer. cro

Leistung war das Thema der zweiten Kolumination auf dem Säntis.

Schwägalp Wie schwer wiegen Worte? Im Fall von Axel Hacke sind es seit Freitagabend rund 15 Kilogramm. So viel bringt die Skulptur auf die Waage, die dem Münchner Kolumnisten, Journalisten und Autor für sein langjähriges Schaffen überreicht wurde. Er ist nach Beat Kappeler der zweite Preisträger der Kolumination, Festival der Worte auf dem Säntis. Dabei sieht der Welt- und Selbstbeobachter seine Aufgabe darin, Woche für Woche aus dem Schweren etwas Leichtes zu machen. Die gewichtige Knoten-Skulptur von Herbert Meusburger mal ausgenommen. Dieser eine erträgliche Leichtigkeit des Seins zu verpassen, wäre allein schon deshalb hilfreich, um sie von der Bergstation mühelos nach München transportieren zu können. Ansonsten werden die 2502 Höhenmeter und die rund 260 Kilometer zum echten Kraftakt. Oder einfach nur dem Thema der Veranstaltung gerecht, das 2021 die Leistung in den Mittelpunkt stellt.

Kolumnist Axel Hacke ist der Preisträger der zweiten Kolumination: (v. l.) Jurypräsident Gerhard Schwarz, Axel Hacke und Beat Kappeler, Preisträger 2019. <span class="copyright">Reinhard Frei</span>
Kolumnist Axel Hacke ist der Preisträger der zweiten Kolumination: (v. l.) Jurypräsident Gerhard Schwarz, Axel Hacke und Beat Kappeler, Preisträger 2019. Reinhard Frei

Leistung, Leistungsdenken, Leistungswille, Leistungsdruck, dafür steht auch die Kolumne, wie es Rainer Hank erklärt: „Der Kolumnist muss immer pünktlich liefern. Der Leser ist es gewohnt, die Kolumnen immer am selben Ort zur selben Zeit zu finden.“ Zustimmung. Applaus. Obwohl im Sprachfeuerwerk, das Birgit Schmid, Tamara Wernli, Jan Fleischhauer, Eleonore Büning oder Matthias Flückinger abfeuerten, schnell klar war, dass darunter auch etwas ganz Individuelles, ja Persönliches zu verstehen ist. Etwa wenn man plötzlich wegen der Live-Übertragungen vor 200.000 Menschen lesen sollte. „Ich malte mir grauenhafte Szenen aus – was ist, wenn mir aus dem Mund gelbe Papageien fliegen statt Wörter“, erzählt die Bachmann-Preisträgerin 2018, Tanja Maljartschuk.

Knapp 700 Kolumnen

Ganz anders bei Monika Helfer. Die VN-Kolumnistin stellt gleich klar: „Meine Kolumnen sind kleine Geschichten. Ich beobachte Leute.“ Knapp 700 Mini-Texte sind inzwischen erschienen, zwei davon las sie vor. Sehr blaue Augen und Quarz entsprachen exakt dem, was die Kolumination sein soll: ein vergnügtes Lesen, Lauschen und Lachen. Darauf hätten die Zuhörer allerdings fast verzichten müssen. Denn die Hohenemser Schriftstellerin rückte auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises vor und damit unter die letzten sechs, die sich Hoffnung auf den begehrten Literaturpreis machen durften. Was für ein einmaliges Geburtstagsgeschenk wäre es für die 74-Jährige gewesen, wenn die Entscheidung vergangenen Montag, 18. Oktober, zugunsten von “Vati” gefallen wäre. Allerdings hätten die Zuhörer der zweiten Kolumination auf Monika Helfer verzichten müssen. Sie wäre dann auf der Frankfurter Buchmesse geblieben. „Ich bin gerne hier“, sagt sie leise, lächelt und findet ihren Erfolg dennoch zu Recht großartig. Schließlich bringt 2022 eine neue Chance. Am 24. Jänner erscheint mit „Löwenherz“ der dritte Band der Familien-Trilogie. Man darf gespannt sein. Marion Hofer

Die Kolumination – das Festival der Worte auf dem Säntis fand vergangenes Wochenende zum zweiten Mal statt. Es lasen Axel Hacke, Rainer Hank, Eleonore Büning, Birgit Schmid, Tanja Maljartschuk, Matthias Flückinger, Monika Helfer, Jan Fleischhauer und Tamara Wernli sowie die Slammer Marvin Suckut, Mieze Medusa und Gregor Stäheli.