Croissant und Milchkaffee als Henkersmahlzeit

Paul Mittler sagt im Bregenzer Kollektiv „Danke fürs Frühstück“.
Bregenz Wäre Paul Mittler nicht Maler geworden und der deutsche Dramatiker Rainer Werner Fassbinder würde noch leben, die beiden würden ein kongeniales Duo bilden. Welche Aufgaben Fassbinder in dieser Arbeitsteilung übernehmen würde, ist irrelevant, solange sich Mittler für die klangvollsten Filmtitel in deutscher Sprache verantwortlich zeigt. Wer nämlich Bilder mit Titeln wie „Blumen für die blinde Liebe“ oder „Das kleine weiße Haus und seine immerwährende Bedrohung durch die übermächtige Natur“ malt, der kann nur ein Guter sein. Das gilt sowohl menschlich als auch, was die Profession anbelangt. Und Malen kann Mittler, immerhin genoss der 29-Jährige seine Ausbildung auf der Akademie der bildenden Künste (Wien, aka der aktuelle Wohnort des Künstlers) in der Klasse von Daniel Richter, was zwar schon einige Zeit her ist, aber es geht doch am Ende des Tages nichts über solide Lehrjahre.

Bezug zur Pandemie
Jene Bilder, die derzeit im Bregenzer Kollektiv in der der Ausstellung „Danke fürs Frühstück“ zu sehen sind (Gemälde aus Öl auf Leinwand und drei Zeichnungen, welche unter dem Titel „Drink Freedom“ firmieren), entstammen dem Schaffen der letzten zwei Herrenjahre und haben selbstredend zum Teil einen Bezug zur Pandemie („Kontakt“ oder das Triptychon „Seilbahn Seilbahn Seilbahn“). Wann welches Bild wie und in welchem Prozess oder Zusammenhang genau fertiggestellt worden ist, dazu lässt sich von Mittler keine Aussage entlocken. „Ich male erschreckend langsam. Die noch nicht finalen Bilder lagern teils monatelang in einem dafür vorgesehenen Kasten, werden dann irgendwann wieder rausgeholt und fertiggestellt. Da kann es schon vorkommen, dass ein Werk, welches 2019 begonnen wurde, erst 2021 mit einer gewissen Zufriedenheit an die Wand gehängt werden kann.“ Für den Künstler steht der schmale Grat, etwas Hochwertiges zu schaffen und sich gleichsam doch nicht allzu ernst zu nehmen, im Vordergrund. Er selbst bezeichnet das als Pippi-Langstrumpf-Gehabe, macht ergo das, was ihm gefällt. Seine Werke sind Momentaufnahmen, wirken oft unfertig, fast schon schlampig. Das ist Absicht, erzählen sie dadurch nie die ganze Geschichte, sondern wirken wie eine Momentaufnahme, wie ein Wimpernschlag in einer Erzählung, welche sich der Betrachter selbst konstruieren darf.

Frühstück für Helden
Das titelgebende Stück der Ausstellung zeigt eine rumpfaufwärts dargestellte, rauchende Person. Die Zigarette als Frühstück für Helden, konsumiert zu einem Zeitpunkt zwischen Verlorenheit und Optimismus. Doch welches ist eigentlich die bevorzugte morgendliche Stärkung von Paul Mittler? „Croissant und Milchkaffee,“ kommt es wie aus der Pistole geschossen, „denn wenn der Tag so startet, dann kann er nur noch schlimmer werden, was auch meistens der Fall ist.“ Es ist zwar nicht überliefert, aber das könnte genauso gut ein Fassbinder-Zitat sein. Daher klingt es keinesfalls verwunderlich, dass Mittler ein gutes Frühstück auch als Henkersmahlzeit nicht abschlagen würde.
Die Ausstellung „Danke fürs Frühstück“ ist noch bis zum 29. Oktober im Kollektiv-Raum, Maurachgasse 1, Bregenz, zu sehen. www.kollektiv-raum.org