Die „letzten Bilder“ von Heinz Greissing im Vorarlberg Museum

Vorarlberg Museum präsentiert letzte Werke, darunter legendäre Streifenbilder, von Heinz Greissing.
Bregenz „Die Streifen aber sind wie Notenlinien. Sie sind von sekundärer Bedeutung. Die Musik spielt sich dazwischen ab“, vermerkte der Maler Heinz Greissing (1933–2020) einmal in seinen Notizen. Mit „Streifenbildern“ als simultane Landschaft, auf der veränderte Lichtverhältnisse oder Blickperspektiven festgehalten sind, hatte er nicht nur eine perfekte Lösung, sondern auch sein Markenzeichen gefunden. Der Künstler wurde in Wien geboren, hatte in Bregenz das Gymnasium besucht, an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert und seine Arbeitsphasen in Österreich bzw. Vorarlberg seit den 1970er-Jahren durch jährliche Aufenthalte in Andalusien unterbrochen. Sie haben sein Werk, das von Landschaftsmalerei geprägt ist, zu dem aber beispielsweise auch die Ausgestaltung der Kapelle im Landeskrankenhaus in Bregenz zählt, entscheidend beeinflusst. Nach Einzelausstellungen im Palais Thurn und Taxis in Bregenz und im Künstlerhaus in Wien sowie zahlreichen Teilnahmen an Gruppenausstellungen zeigt das Vorarlberg Museum in Bregenz nun, eineinhalb Jahre nach seinem Tod, die „letzten Bilder“ mit einer Auswahl von rund 20 Ölgemälden, die von einigen Aquarellen ergänzt sind.

Sie sind in Andalusien entstanden, repräsentieren das südliche Licht sowie die Weite der Landschaft, aber auch den überzeugten Freilichtmaler, der mit der Staffelei auch der Natur trotzte: „Durch die Kombination zweier Ansichten entsteht eine neue, die ohne Dazwischentreten des Malers nicht bestehen würde. Also stelle ich mich hinein. Das Wichtigste ist die Standortwahl. Es kommt auf den Standort an. Schon ein Schritt daneben würde andere, womöglich unmögliche Verhältnisse schaffen. Die malerischen Gewichte werden insgesamt aufgenommen, abgewogen und auf die Leinwand aufgetragen, auf dass sie dann von dorten erhebend wieder abstrahlen.“
Persönliche Notizen
Die Notizen des Malers lesen zu können, vergegenwärtigt den Malprozess, erhöht das Erlebnis, lässt eintauchen in das Werk, das den Betrachter zu umgeben scheint: „Die Tage in Conil waren total aufs Malen ausgerichtet. Zunächst Motivabklärung- bei großer Pinie zu stark zugewachsen. Bei Cala de aceite Zufahrt nicht mehr möglich. Entscheide mich für den Standplatz wo ich die im Buch auf Seite 122/124/125 abgebildeten Bilder vor 6 Jahren gemalt hab.“

Die von Kuratorin Kathrin Dünser gewählten Bilder sind in den Jahren 2015 bis 2019 entstanden. Zuletzt hat Heinz Greissing auch von den Streifen, die nicht immer akkurat gegliedert sind, gänzlich abgesehen. Entstanden sind Landschaften, die in sich ruhen, die aber stets und auf faszinierende Art das Interesse an der Auseinandersetzung mit dem malerischen Duktus wecken. Abgesehen davon ist in dem einen oder anderen Werk zu erkennen, dass Heinz Greissing auch ohne die Anwendung der Streifen es schaffte, mehrere Lichtstimmungen höchst subtil in einem Bild zu vereinen.
Zur Ausstellung, für die das Vorarlberg Museum mit dem meist nebligen Spätherbst in Bregenz die beste Startzeit gewählt hat, ist ein Buch erschienen, das intellektuelle Vertiefung zur intensiven Auszeit bietet, die uns der Maler mit diesen letzten Bildern gönnt.
Eröffnung am 22. Oktober, 17 Uhr, im Vorarlberg Museum, geöffnet bis März 2022.
