Mehr als ein MeToo-Roman

Deutscher Buchpreis geht an Antje Rávik Strubel. Monika Helfer stand mit „Vati“ auf der Shortlist.
Frankfurt am Main Antje Rávik Strubel ist am Montagabend in Frankfurt am Main mit dem Deutschen Buchpreis für den Roman „Blaue Frau“ (S. Fischer Verlag) ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Ins Finale geschafft hatte es auch die Vorarlberger Schriftstellerin Monika Helfer mit ihren Roman „Vati“. Erst kürzlich wurden Helfer der Schubart-Literaturpreis und der Bodensee-Literaturpreis verliehen. Auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises standen außerdem der Tiroler Norbert Gstrein sowie Christian Kracht, Thomas Kunst und Mithu Sanyal. Die fünf Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro.
Machtstrukturen
Auf mehr als 420 Seiten entfaltet die 47-jährige, in Potsdam geborene Autorin Antje Rávik Strubel in „Blaue Frau“ nicht nur die MeToo-Geschichte einer Frau, die nach einem Weg sucht, wie sie nach einer Vergewaltigung weiterleben kann. Das Buch handelt auch von Machtstrukturen in Beziehungen, Institutionen und Staaten. Es geht um das Macht- und Mentalitätsgefälle zwischen Ost und West, um den Zusammenhang von Geld und Autorität, um Ausbeutung von Menschen im angeblich vereinten Europa des Jahres 2004. „Mit existenzieller Wucht und poetischer Präzision schildert Strubel die Flucht einer jungen Frau vor ihren Erinnerungen an eine Vergewaltigung. Schicht um Schicht legt der aufwühlende Roman das Geschehene frei. Die Geschichte einer weiblichen Selbstermächtigung weitet sich zu einer Reflexion über rivalisierende Erinnerungskulturen in Ost- und Westeuropa und Machtgefälle zwischen den Geschlechtern“, heißt es in der Begründung der Jury.
Der Jury gehörten neben dem Sprecher Knut Cordsen, Kulturredakteur beim Bayerischen Rundfunk, auch Bettina Fischer (Literaturhaus Köln), Anja Johannsen (Literarisches Zentrum Göttingen), Richard Kämmerlings (Die Welt), Sandra Kegel (FAZ), Beate Scherzer (Buchhändlerin) und Anne-Catherine Simon (Die Presse) an. Heuer hatten 125 Verlage 197 Romane eingereicht. Dazu konnte die Jury Bücher vorschlagen, dass schließlich 230 Titel gesichtet wurden.
Zweimal ging bisher der Deutsche Buchpreis nach Österreich: 2005 an den Vorarlberger Arno Geiger („Es geht uns gut“) und 2017 an Robert Menasse („Die Hauptstadt“). Die Vergabe des Buchpreises markiert den Auftakt zur Frankfurter Buchmesse, die am Dienstag offiziell eröffnet wird.