Wie ein Konzert zur witzigen Oper wurde

Kultur / 17.10.2021 • 16:00 Uhr
Wie ein Konzert zur witzigen Oper wurde
Concerto Stella Matutina auf der Bühne AmBach in Götzis. CSM/L. Löbl

Das Ensemble Concerto Stella Matutina bot ein so vernügliches wie lehrreiches Programm.

Götzis Dass der „Fünfte Evangelist“, zu dem Bach in protestantischen Kreisen erhöht (und verkürzt) wurde, durchaus auch anders konnte, daran erinnerte Concerto Stella Matutina in seinem letzten Konzert mit zwei seiner weltlichen Kantaten. Wie schon öfter leitete Alfredo Bernardini als Gast das Ensemble und blies die Oboe auf seine unnachahmliche Art.

Concerto Stella Matutina. <span class="copyright">CSM/L. Löbl</span>
Concerto Stella Matutina. CSM/L. Löbl

Geradezu eine kleine Opera buffa ist die fast einstündige Kantate „Gschwinde, ihr wirbelnden Winde!“, in der es um einen Wettstreit zwischen Apollo und Pan um die bessere Kunst geht: eingängige Unterhaltungsmusik, die den italienischen Stil persifliert, oder komplexe Kunstmusik. Schon der Eingangschor mit drei Trompeten, Pauken, doppelt besetzten Oboen und Flöten und dem Chor, der aus den sechs Solisten und einer Altistin und einer Sopranistin bestand, klang frisch und beschwingt. Mit Bernardini spielte das Ensemble inspiriert, hochkonzentriert und entspannt zugleich, eine ideale Mischung.

Concerto Stella Matutina. <span class="copyright">CSM/L. Löbl</span>
Concerto Stella Matutina. CSM/L. Löbl

Was nun folgte, war tatsächlich eine Minioper, denn die durchwegs ausgezeichneten Sänger und Sängerinnen unterstrichen mit Gesten und pantomimisch die Handlung: Wenn etwa der schlanke Bass des Matthias Helm als Phöbus eine Arie an seinen geliebten Hyazinth singt, verdreht Dominik Wörner als Pan demonstrativ die Augen, während der für den erkrankten Gmünder eingesprungene Tenor Michael Feyfar mit ihm kokettiert. Ein besonderes komisches Talent zeigte Markus Schäfer als Midas, der am Schluss Eselsohren bekommt. Bei Pans von Wörner kernig gesungener bäurischer Arie „Zu Tanze, zu Sprunge“ schlafen die Gegner demonstrativ ein.

Concerto Stella Matutina. <span class="copyright">SM/L. Löbl</span>
Concerto Stella Matutina. SM/L. Löbl

Nach der Pause ließ der Eingangschor des „Weihnachtsoratoriums“ vielleicht manche im Publikum an ihrer Zeitorientierung zweifeln. Es war jedoch die Geburtstagskantate „Tönet, ihr Pauken, erschallet Trompeten“, komponiert für die österreichische Erzherzogin Maria Josepha, Gattin Augusts III., König von Sachsen und Polen, aus der Bach einiges für das Weihnachtsoratorium wiederverwendet hat. Elisabeth Wimmers warmer Sopran kam in den feingestalteten Koloraturen der Arie „Blast die wohlgegriffnen Flöten“ ebenso zur Geltung wie die Greifkunst der beiden Flötistinnen Angelika Gallez und Julia Stöcker. Franz Vitzthums beweglicher Altus überzeugte gemeinsam mit Bernardinis Oboe im nächsten Déjà-entendu-Erlebnis, der Arie „Fromme Musen!“ („Frohe Hirten“).

Wörner und Bernhard Lampert an der Barocktrompete glänzten in „Kron und Preis gekrönter Damen“ („Großer Herr und mächt‘ger König). Der Schlusschor mit dem aparten Text „Blühet, ihr Linden, in Sachsen, wie Zedern“ („Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“) setzte einen glanzvollen Schlusspunkt nach einem ebenso vergnüglichen wie lehrreichen Konzert.  Ulrike Längle