Alpenarte-Festival mit Überraschungen eröffnet

Endlich wieder spielen, hieß es beim Ensemble Esperanza im Angelika-Kauffmann-Saal..
SCHWARZENBERG. Das war ein großer Abend in der Geschichte des jungen Festivals Alpenarte. Wie von einer schweren Last befreit, freuten sich die internationalen, durchwegs jugendlichen Künstler wie Schneekönige, nach insgesamt drei corona-bedingten Absagen nun im vierten Anlauf endlich ihr Eröffnungsprogramm vor Livepublikum präsentieren zu können. Große Erleichterung herrschte auch beim Festival-Gründer, dem Liechtensteiner Musikmanager Dražen Domjanić, der nach etlichen Probeläufen mit jungen Künstlern die Intendanz nun wieder selbst übernommen hat, sowie bei Hans Metzler als Präsident.
Das war zum Auftakt nun im Grund genommen eine recht abenteuerliche Programmgestaltung, freilich auf höchstem Qualitätslevel: ein exzellentes klassisches Streicherensemble, dazu ein amerikanischer Folksänger, der Schubertlieder auf Englisch singt. Aber gerade mit dieser besonderen Note hat man offenbar den Geschmack eines diesmal sehr zahlreichen, aber auch fachkundigen Publikums getroffen. Das von Domjanić 2015 mit jungen internationalen Topleuten gegründete Ensemble Esperanza, das auf Anhieb eine beispiellose Karriere hinlegte und drei Jahre später mit dem Opus Klassik ausgezeichnet wurde, ist heuer in Schwarzenberg mit drei Konzerten das Ensemble in Residence.

Als die 15 Musikerinnen und Musiker zu spielen beginnen, natürlich stehend als äußeres Zeichen höchster Konzentration, alle in der Musikakademie Liechtenstein ausgebildet, bekommt die von ihrer Anlage her eher behäbig-gemütliche, barockverliebte Suite „Aus Holbergs Zeiten“ des Norwegers Edvard Grieg ordentlich Pfeffer, wird in einem wunderbar homogenen, warmen Streichklang mit höchster Intensität und aufregender Dynamik auf Teufel komm raus musiziert. Auch ein kleines Problem wird dabei spielend gelöst. Da die langjährige Konzertmeisterin Chouchane Siranossian derzeit in anderen Umständen ist, leitet erstmals der vielfach ausgezeichnete Geiger Marc Bouchkov als Primarius das Ensemble ohne jede qualitative Einbuße. Auf eben diesem Niveau gelingt auch das zweite große Werk des Abends, die St. Paul’s Suite von Gustav Holst aus dem alten England mit ihrem mitreißenden Finale aus Square Dance und „Greensleeves“.

Wie selbstverständlich löst sich zwischendurch aus diesem Ensemble der Cellist Moritz Huemer (22), in Feldkirch geboren, in Liechtenstein aufgewachsen, und spielt im Dialog mit seinen Kollegen in großer Selbstverständlichkeit, technisch und tonlich souverän, den Solopart in David Poppers Ungarischer Rhapsodie, ein sympathisches Temperamentbündel von großer Reife.
Unnachahmlich
Und dann ist da noch, sozusagen als Special Guest, Bryan Benner, der in Wien lebende US-amerikanische Folksänger. Er wurde beim letzten Konzert vor zwei Jahren zur Top-Überraschung des Abends, als er bekannte Schubertlieder in eigenen englischen Übersetzungen mit Gitarrenbegleitung als Folksongs unserer Zeit präsentierte. Auch diesmal macht er mit dem stimmlichen Wohlklang seines makellos geführten Baritons diese Lieder auf unnachahmlich eigene Art zu Folksongs unserer Zeit, unplugged und absolut glaubhaft. Nachdem man in der Zwischenzeit bei der Schubertiade auch seine Band „The Erlkings“ kennen gelernt hat, bleibt die Erkenntnis: Bryan Benner als Solist ist um vieles authentischer, mitreißender, aufregender denn als Teil seiner Band, deren Klänge sich rasch erschöpfen. Auch diesmal wird Schuberts „Erlkönig“ in seiner Version zum gefeierten Glanzstück, dazu kommen Lieder von Schumann und Eigenes. Fritz Jurmann
alpenarte Schwarzenberg, Angelika-Kauffmann-Saal: 16. Oktober, 17 Uhr („Evergreens for you“, mit Dražen Domjanić, Klavier, und Ensemble); 17. Oktober, 17 Uhr (Sara Domjanić, Violine, Ensemble Esperanza)