Amateurtheater: Wichtig, gemeinschaftsfördernd und endlich wieder da

Der Landesverband für Amateurtheater ist zurück auf der Bühne und legt eine Bilanz vor.
Dornbirn Wir leben in einer Zeit, in der das Gemeinwohl in den Lebensentwürfen wenig Berücksichtigung findet. Und zwar nicht, weil es in unserem Land an Wohlstand fehlt, sondern, weil es nicht vorgelebt wird, weil der Faktor in Politik und Arbeitswelt am Verschwinden ist und als Argument bei Entscheidungsfindungen viel zu selten auftaucht.
Da ist es gut, wenn die Begriffe Gemeinwohl oder Gemeinschaft einmal nicht von Philosophen sowie hellsichtigen bzw. sozial orientierten Ökonomen eingebracht werden, sondern auch von wachen Bürgerinnen und Bürgern. In einem besonderen Fall sind es ein paar Tausend Engagierte im Vorarlberger Landesverband für Amateurtheater.

Die gesellschafts- und bildungspolitische Relevanz der Aktivitäten in diesem Bereich ist offenkundig, aktuell dokumentiert ist sie im Band „Theater verändert“, den der Landesverband für Amateurtheater herausgebracht hat und dessen Inhalt in erster Linie von Dagmar Ullmann-Bautz verantwortet wird. Sie war 30 Jahre lang als Geschäftsführerin des Verbandes tätig, ist selbst auf der Bühne gestanden, hat Theatergruppen geleitet, Regie geführt und sich auch als Rezensentin von Berufstheatergruppierungen etabliert.

Mittlerweile hat Nina Fritsch die Geschäftsführung übernommen. Allerdings unter äußerst herausfordernden Startbedingungen, denn die Amateure durften wegen der Pandemie über ein Jahr lang nicht tätig sein, nicht einmal proben wie ihre Kollegen in den Berufstheatern.
Beeindruckende Zahlen
Die über 80 Amateurgruppierungen realisieren pro Jahr im Durchschnitt 400 bis 450 Aufführungen, die von 72.000 Besucherinnen und Besucher gesehen werden. Die Kooperation mit Berufstheatern, Profigruppierungen in der freien Szene, zahlreichen Musikern und Tänzern sowie Schriftstellern ist vor allem in Vorarlberg so augenscheinlich wie der Beitrag der Theaterschaffenden zur Jugendarbeit. Nicht zufällig lässt Dagmar Ullmann-Bautz im erwähnten Buch mehrere Theaterpädagogen zu Wort kommen, die den Wert des Spielens für die Persönlichkeitsentwicklung erläutern, aber auch für die Erwerbung von Fähigkeiten, die in verschiedenen Berufsbranchen anwendbar sind.

Darüberhinaus behandeln Theatervereine Themen, die der Reflexion dienen, aber auch konkret Informationen liefern, wobei der Humor oft als wichtiger Katalysator zum Einsatz kommt. Das gilt im Übrigen auch für das von Dagmar Ullmann-Bautz geleitete Anarttheater, das zurzeit eine Produktion nach einem Text der Vorarlberger Schriftstellerin Daniela Egger probt. Es geht um die Demenz, das heißt um ein Thema, das uns im Grunde alle betrifft. Ins Theater gehen oder auch aktiv Mitwirken darf nämlich durchaus als Präventionsmaßnahme angesehen werden.
Dass in der Amateurtheaterszene integrative Projekte einen breiten Raum einnehmen, und dass ein reger Austausch über die Grenzen des Landes hinaus stattfindet, darf eigens erwähnt werden.
Lesetipp: “Theater verändert: über das außerberufliche Theater am Beispiel Vorarlberg” Hg.: Dagmar Ullmann-Bautz, Landesverband Vorarlberg für Amateurtheater