Plädoyer für das Erinnern

Kultur / 08.10.2021 • 15:33 Uhr
Plädoyer für das Erinnern

Erfahrungen einer „Patronenfrau“ in den Hirtenberger Werken.

Roman Die 1988 in Bratislava geborene und seit 1991 in Wien lebende Autorin erzählt auf zwei Zeitebenen in einer weiblichen Perspektive von der Kriegszeit. In der Rahmenhandlung spürt die 84-jährige Klara den Tod herannahen. Sie lebt auf einem verfallenden Hof mit ihrem erwachsenen Enkel Luis. Seine lautstarken Renovierungsversuche lassen in Klara die Vergangenheit aufbrechen. Im August 1944 arbeitet sie als junge Patronenfrau in einer unterirdisch angelegten Produktionsstätte, der damals zur Wilhelm-Gustloff-Stiftung gehörenden Hirtenberger Patronenfabrik. Es ist ein Ort wie die Vorhölle: „Ein Werk, mitten im Wald, versteckt zwischen all den Bäumen und halb in der Erde. Und darin Hitze, Dampf und die Gerüche des Todes.“ Gegen Kriegsende wird der Schichtbetrieb härter, die Entbehrungen größer, die Angst vor Fliegerangriffen allgegenwärtig. Um die bereits unmenschlichen Produktionszahlen noch zu steigern, errichtet die SS ab September 1944 in der Nähe der Fabrik ein Außenlager des KZ Mauthausen. Klaras neue Arbeitskolleginnen sind von SS-Aufseherinnen angetriebene, verstörte Zwangsarbeiterinnen, deren einziger Schutz vor dem Tod ihre Arbeitskraft ist.

Die Frauen fühlen sich einander bald eng verbunden. Der Glaube daran, einen wichtigen Beitrag zu leisten, schwindet in Klara, als sie die Grausamkeit und Aussichtslosigkeit des Systems begreift, dem sie zuarbeitet. Als das Werk gegen Kriegsende evakuiert wird, macht sich Klara auf, den Häftlingsfrauen auf ihrem Todesmarsch zu folgen.

“Was bei uns bleibt”, Didi Drobna, Piper Verlag, 256 Seiten.