Neu im Kino: Hanno Pinters “Hinterland” feiert Premiere

Kultur / 06.10.2021 • 14:10 Uhr
Neu im Kino: Hanno Pinters "Hinterland" feiert Premiere
Ruzowitzky gelingt ein optisches Spektakel in der Tradition des deutschen Expressionismus, das düstere Porträt einer Umbruchszeit. 2021 SquareOne Entertainment

Oscarregisseur Stefan Ruzowitzky eröffnet den Kinoherbst mit schwerer Kost.

Krimidrama Stefan Ruzowitzkys neoexpressionistischer Thriller „Hinterland“ zeigt Murathan Muslu als gebrochenen Kriegsheimkehrer nach dem Ersten Weltkrieg, der sich einem Serienmörder gegenübersieht. Dem österreichischen Oscarregisseur gelingt ein optisches Spektakel in der Tradition des deutschen Expressionismus, das düstere Porträt einer Umbruchszeit. Im Zentrum steht der einstige Kriminalbeamte Peter Perg (Muslu), dessen Welt in den Nachwellen der Kriegsdetonationen zerborsten ist. Oder besser: Es gibt sie schlicht nicht mehr. Als der einstige Kriminalbeamte zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Wien zurückkehrt, ist die Monarchie perdu, das Reich ebenso und auch die alte Ordnung der Gesellschaft. Es ist eine derangierte Welt, in die Perg geworfen wird – und Ruzowitzky zeigt sie mit seinem Kameramann Benedict Neuenfels als eben solche. In Hommage an expressionistische Klassiker wie Robert Wienes „Cabinet des Dr. Caligari“ erschaffen sie ein Wien, in dem die Perspektiven verschoben sind, die Gebäude sich antinaturalistisch aufeinandertürmen. Anders als in den Vorbildwerken aus den 20ern sind die Hintergründe nicht mittels realer Bühnenbilder erzeugt, sondern gänzlich digital.

 <span class="copyright">2021 SquareOne Entertainment</span>
2021 SquareOne Entertainment

„Der Kulturschock war nach dem Ersten Weltkrieg offensichtlich viel größer als nach dem Zweiten Weltkrieg“, hatte Ruzowitzky im APA-Interview räsoniert: „Das ist eigentlich die viel interessantere Zeit.“ Diesem Impetus entsprechend ist sein „Hinterland“ ein bildstarkes Epochenporträt geworden, ein symbolistisches Werk aus der Frühphase der Zwischenkriegszeit, in der die Nachwirkungen des Zusammenbruchs die Hoffnungsmomente des Aufbruchs noch überwogen. Und zugleich belässt es der erfahrene Publikumsregisseur nicht bei diesem historischen Panoptikum, sondern webt eine etwas konventionelle Thrillerhandlung in diese verschobene Wahrnehmung ein.

So geschieht alsbald ein Mord an Pergs einstigem Kameraden Krainer (Timo Wagner), wodurch der Kriegsheimkehrer kurzzeitig sogar zum Verdächtigen mutiert. So erwachen in dem am Boden liegenden Mann die alten Ermittlerinstinkte. Schnell wird klar, dass der Mord an Krainer nur der Auftakt zu einer ganzen Serie an Ritualmorden ist, die auf mysteriöse Weise miteinander zusammenhängen.

Das erste Drehbuch und der erste Preis für Hanno Pinter

Bregenz „Hinterland” begeisterte beim Filmfestival von Locarno und heimste dort direkt den Publikumspreis ein. Am 8. Oktober feiert das Krimidrama um einen Kriegsheimkehrer nach einer Idee von Hanno Pinter im Metrokino Bregenz seine Vorarlberg-Premiere. Hanno Pinter, der vielen als Frontmann der Rock‘n‘Roll-Band „The Monroes“ bekannt ist, beschreitet mit seinem Filmdebüt neue Wege: „Für mich findet mit der Vorarlberg Premiere eine sehr lange aber auch sehr schöne Reise ihr perfektes Ende“, freut sich Pinter, der seit 2004 mit Robert Buchschwenter und Stefan Ruzowitzky an dem Drehbuch schrieb.

Hinterland

Regie Stefan Ruzowitzky

Darsteller Murathan Muslu, Liv Lisa Fries, Maximilian von der Groeben, Marc Limpach, Margarethe Tiesel, Matthias Schweighöfer

Start 8. Oktober, Bühnengespräch mit Hanno Pinter und anschließende Filmvorführung: 9.10., 20 Uhr, Metrokino Bregenz