Wie die Vorarlberger Festivalszene verändert wird

Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde restrukturieren die Montforter Zwischentöne.
Feldkirch Die Fakten sind bekannt, die Montforter Zwischentöne finden nicht mehr drei Mal im Jahr über mehrere Tage statt, sondern als Festival zu einem einzigen fixen Zeitpunkt, der sich über den Monat November erstreckt. Noch etwas ist neu, die Anbindung an die Stadt Feldkirch hat sich verändert, Träger der Zwischentöne ist ein Verein, den die beiden künstlerischen Leiter Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde gegründet haben. Das eigene Team musste deswegen nicht wesentlich vergrößert werden, Uhde nennt es “ein kleines Beiboot” mit einem Produktionsleiter und einer Expertin aus dem Musikbereich, die Technik wird von den jeweiligen Spielstätten gestellt.
„Wir haben eine Vereinbarung mit der Stadt, ein Format im Palais Liechtenstein zu entwickeln.“
Hans-Joachim Gögl, Festivalleiter
Die Betrachtung dieser ist interessant. Neben dem alten Hallenbad in Feldkirch, dem Montforthaus und den Sälen im Landeskonservatorium gehört auch das Palais Liechtenstein dazu. Vor gut sechs Jahren hatte man den Auftrag, das gerade erste eröffnete Montforthaus als Ort der klassischen Musik in zum Teil neuen Formaten zu etablieren. Nun kann man davon ausgehen, dass das Programm im Palais Liechtenstein im Dialog mit der Stadt durch das Festival mitbestimmt wird.

Für die Feldkircher Kulturszene ist das nicht unerheblich. Dass das für die 800-Jahr-Feier sanierte historische Gebäude nach der Verwendung für eine Ausstellung ungewöhnlich lange leer stand und dass es bislang immer noch kein konkret ausgearbeitetes Programmkonzept für das mittlerweile als “Diskursort” ausgeschilderte Gebäude gibt, hat in Feldkirch für Unmut gesorgt. Mit der derzeit noch laufenden Ausstellung zu Wolf Huber, die mehr mit kunsthistorischen Informationen aufwartet als mit Arbeiten des berühmten Künstlers der Renaissance, der den im Dom befindlichen Annenalter schuf, werden vor allem Nebenräume bespielt. Uhde und Gögl werden hier heuer ein Projekt der israelischen Fotografin Orly Zailer präsentieren, mit dem diese die Themen Identität, Herkunft und Familie aufgreift. Mit der Künstlerin hatte Gögl bereits für das Inn-Situ-Programm in Innsbruck gearbeitet. Inwieweit sich auch Maria Simma-Keller beim Palais Liechtenstein einbringt, wird interessant. Die neue Kulturamtsleiterin, die demnächst die Arbeit aufnimmt, hat Erfahrungen als Ausstellungsmacherin im Bereich der zeitgenössischen bildenden Kunst.
Gleichbleibende Subventionen
Die Subventionen vonseiten der Stadt Feldkirch und des Landes haben sich laut Hans-Joachim Gögl nach der Restrukturierung des Festivals nicht verändert. Zwei Mal 230.000 Euro fließen von der öffentlichen Hand ins Budget. Als wichtigen Partner nennen die beiden Leiter die Sparkasse Feldkirch.
Dramaturgie und Zeit als Einheit
Als wesentlichen Punkt bei der Entscheidung für ein einmonatiges Festival im November nennt Gögl die jahreszeitliche Atmosphäre, die auch die Dramaturgie mitbestimme. Der Weg vom abnehmenden Licht hin zum Licht zeichne den Prozess des Wandels vor, der besonders heuer als Motto über allen Veranstaltungen steht. Ein Zentrum bildet die Aufführung der h-Moll-Messe von Bach mit dem Ensemble Concerto Stella Matutina und dem Feldkircher Kammerchor, denen der Soziologe Hans Joas Betrachtungen über das Heilige für Gläubige und Ungläubige hinzufügt. Unter den Solisten ist die Vorarlberger Sopranistin Miriam Feuersinger aufgelistet, deren Bach-Zyklus zu einem Bestandteil des Vorarlberger Konzertprogramms geworden ist.
Dass das kompakte, jeweils für November geplante Festival neben den Bregenzer Festspielen, der Schubertiade, vielfältigen Musik-, Tanz- und Theaterreihen das Angebot im Land deutlicher prägt als der bisherige, lockere Verlauf der Zwischentöne, liegt auf der Hand. Gögl und Uhde haben sich mit den Gegebenheiten befasst, betonen die philosophischen Fragestellungen in ihrem Programm und haben “laut Feedback das Gefühl, dass sich das ausgeht”.
Die Montforter Zwischentöne finden vom 4. November bis 1. Dezember in Feldkirch statt. Einen Schwerpunkt bietet die besonder Aufführung von Bachs h-Moll-Messe.