Mehr junge Abonnenten am Landestheater

Zum Saisonstart mit den brisanten Stücken “Ödipus” und “Else (ohne Fräulein)” ist auch die Sanierung des Kornmarkttheaters ein Thema.
Bregenz “Die Abozahlen sind stabil”, hat Intendantin Stephanie Gräve den VN schon vor einem Produktionsgespräch vermittelt, bei dem die ersten Premieren der neuen Spielzeit des Vorarlberger Landestheaters und somit “König Ödipus” von Sophokles und “Else (ohne Fräulein)” von Thomas Arzt im Fokus standen. Bevor Johannes Lepper die Vorzüge der Arbeit mit einem fixen Ensemble ausgiebig pries und von einer Kontinuität sprach, die ihm die Realisierung von Konzepten mit viel Videoeinsatz ermöglicht – man erinnere sich an seine fulminante und gezielt politisch aufgeladene Inszenierung von “Die Vögel” von Aristophanes -, sei die weitere Zukunft erwähnt.
Umbau 2023
Dass das Haus sanierungsbedürftig ist, wurde ebenso berichtet, wie dass Vertreter der Stadt Bregenz, der die Immobilie gehört, und des Landes Vorarlberg, das sie bespielt, mittlerweile an den Verhandlungstisch zurückgekehrt sind. Die Planungsphase hat begonnen, in Herbst 2023 soll mit dem Umbau gestartet werden. Eine Saison lang bleibt das Landestheater ausgelagert und wird überall dort im Land auftreten, wo die Erkundung von neuen Spielplätzen erfolgreich war. “Wir sind kein Stadttheater, sondern ein Landestheater”, kommentiert Stephanie Gräve das Vorhaben. Mit kleineren Stücken ist sie seit ihrem Start im Jahr 2018 ähnlich wie ihre Vorgänger durchs Land gereist, mitunter hat das Publikum selbst bekundet, dass es ganz gerne ins “richtige Theater” nach Bregenz kommt und Aufführungen in Mehrzwecksälen gar nicht so sehr schätzt. Die neuen Spielorte dürfen also auch außergewöhnliche sein. Dass sie zu Beginn Publikum verloren hat, will sie gar nicht verschweigen, dafür zeigen nun vor allem auch jüngere Leute Interesse, die sie anfangs vermisste.

Trotz aller Unsicherheiten, die die noch nicht überstandene Pandemie mit sich bringt und obwohl vor allem die Schüler bei steigenden Infektionszahlen nicht mehr klassenweise kommen dürfen, gibt es Grund für Zuversicht. Einen Einbruch von bis zu 25 Prozent hat Geschäftsführer Werner Döring befürchtet, konstatieren darf er hingegen einen erfreulichen Besucherzuspruch.
Verantwortung
Die Situation des unschuldig schuldig gewordenen Ödipus der antiken Literatur, der an einen Punkt geraten ist, an den er nicht hinwollte – den Vater getötet, die Mutter geheiratet -, stelle sich auch die Situation heutiger Menschen dar, bekundeten Gräve und Lepper. Er unterstelle niemanden, dass er Böses will, aber wir seien eingebettet in Systemen, in denen Böses lockt, meinte der Regisseur, für den die Relevanz des Stücks in der Frage nach der Verantwortung liegt. Birgit Schreyer Duarte inszeniert “Else (ohne Fräulein)” mit einer Schauspielerin und der Tänzerin Silvia Salzmann und will Figuren grundsätzlich in ihrer Komplexität zeigen. Eine 15-Jährige bemerkt die Wirkung ihres Körpers auf Männer und schlittert durch unseriöse Erwachsene in einen Konflikt. Im Vorfeld hat sich das Team konkret in Gesprächen und mittels Fragebogen mit den Ansichten Jugendlicher auseinandergesetzt.
Premiere “König Ödipus”, 18. September, 19.30 Uhr; Premiere “Else (ohne Fräulein)”, 19. September, 19.30 Uhr, VLT in Bregenz.