„Klänge sind wie Steine“

Das dritte Schallwende-Festival umfasst auch ungewöhnliche Bereiche des Musikschaffens.
Feldkirch Das von den beiden renommierten Vorarlberger Musikern und Komponisten Dietmar Kirchner und Wolfgang W. Lindner begründete und geleitete Festival mit dem vieldeutigen Titel „Schallwende“ hat in den vergangenen beiden Jahren für Aufsehen gesorgt und in der Szene rasch Fuß gefasst. Das Theater am Saumarkt bietet am kommenden Wochenende zum dritten Mal den idealen Schauplatz für Porträtkonzerte u. a. mit Uraufführungen der Vorarlberger und Wiener Komponisten Thomas Gorbach, Gerda Poppa und Christoph Cech. Verbunden ist das Ganze mit Musikvermittlung für Jugendliche des Musikgymnasiums Feldkirch, für die es in einem Workshop den musikalischen Ausdruck in digitalen Musikinstrumenten zu entdecken gilt.
Notwendiger Diskurs
„Damit es für viele neue Werke einen Anfang gibt, einen dringend notwendigen Diskurs, dafür braucht es ein solches Festival in Vorarlberg.“ Unter diesem Motto wollen Kirchner und Lindner dem Publikum weiterhin entsprechende Denkanstöße auch für ungewöhnliche Bereiche geben. So etwa für „akusmatische Musik“, der sich der 1966 in Thüringerberg geborene und in Wien lebende Thomas Gorbach widmet. Er versteht darunter eine vom Visuellen abgekoppelte Art des Hörens in allen möglichen Ebenen. Vereinfacht ausgedrückt: „Klänge sind wie Steine, die man sich zurechtmeißeln muss – ein Weg in die Ungewissheit, denn der Klang in seiner Modulation ist immer präsent“, so Gorbach. Der Wiener Christoph Cech, geboren 1960, wird in Fachkreisen gerne als Grenzgänger zwischen Jazz und Komposition eingestuft. „Die einen sagen: ,Na ja, der kommt aus dem Jazz‘, und die Jazzer meinen: ,Bei dem ist alles auskomponiert‘. Dabei war ich immer bemüht, etwas Homogenes zu schaffen, also unterschiedliche musikalische Sprachen zu einem eigenständigen Idiom zu verschmelzen.“ Nach Feldkirch kommt Cech mit dem von ihm 1996 gegründeten Janus-Ensemble, das sein Werk „… dein Wille geschehe“ zur Uraufführung bringen wird, in dem es um aktuelle gesellschaftliche Themen geht. Die 1963 in Röthis geborene Gerda Poppa, am Konservatorium in Komposition ausgebildet bei Herbert Willi, in Orgel bei Bruno Oberhammer, als Organistin in der Basilia Rankweil tätig, präsentiert neue Werke. In „Distanzen“ spielt sie mit dem Wortlaut des Titels auch als „Dis-Tanz“, ihre Fähigkeit als Synästhetikerin, die in Tönen Farben hört, bringt sie in einer „Klangfarbenmusik“ zum Ausdruck. Ein Duett für Sopransaxophon und Bassklarinette hat sie vieldeutig mit „BinAir“ überschrieben. JU
Schallwende Festival
17. September, 19 Uhr
Workshop-Präsentation Thomas Gorbach
20.15 Uhr Porträtkonzert Thomas Gorbach, Werke von Caroline Profanter, Elsa Justel und Enrique Tomàs
18. September, 20.15 Uhr
Porträtkonzerte Christoph Cech und Gerda Poppa (Janus Ensemble)