“Alles ist auf Wien ausgerichtet”

Kultur / 13.09.2021 • 20:38 Uhr
Im August erreichte die Schubertiade eine hohe Auslastung, die Auflagen für September waren bis vor Kurzem unklar. schubertiade
Im August erreichte die Schubertiade eine hohe Auslastung, die Auflagen für September waren bis vor Kurzem unklar. schubertiade

Das Pandemie-Verordnungsprozedere stellt für Schubertiade-Chef Gerd Nachbauer enorme Hürden dar.

Hohenems Über ein Jahr lang hat Gerd Nachbauer so gut wie alle Schubertiade-Konzerte und Liederabende absagen müssen. Einerseits waren Veranstaltungen überhaupt verboten, andererseits ließen die Pandemie-Auflagen die Durchführung des 1976 gegründeten weltweit einzigartigen Lied- und Kammermusikfestivals nicht zu. Während die im Zentrum des Jahresprogramms stehende Reihe im Juni im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg noch ausfallen musste, konnten in der zweiten Augusthälfte insgesamt 20 Veranstaltungen durchgeführt werden. Sie waren zu 91 Prozent ausgelastet, die 3-G-Regel (geimpft, genesen oder negativ getestet) wurde vom zu einem großen Teil aus Deutschland anreisenden Publikum akzeptiert, nur die Musikfreunde und -experten aus Übersee und Großbritannien blieben aus. Die Reisebestimmungen verhinderten den Besuch, etwaige Lockerungen kamen zu spät.

Dies ist auch der wunde Punkt, die kurzen Fristen bei der Ankündigung von neuen Verordnungen durch die Behörden machen Nachbauer seit Beginn der Pandemie zu schaffen, an dem Prozedere hat sich nichts geändert.

Keine Auskunft

Vom 30. September bis 5. Juni ist eine Konzertserie in Hohenems geplant, bis vor wenigen Tagen war nicht klar, welche Auflagen gelten werden. „Unsere Spitzenpolitiker gehen davon aus, dass es in Österreich kein internationales Publikum gibt, für das Kulturveranstalter längere Planungszeiten brauchen“, ärgert sich der erfolgreiche Leiter seines privaten Kulturunternehmens. Er habe den Eindruck, dass alles auf Wien ausgerichtet ist, bemerkt er im Gespräch mit den VN. Für das Publikum in der Bundeshauptstadt reiche es ja, wenn man ein paar Tage vorher weiß, ob die Aufführung stattfindet. Für die Schubertiade bedeutet das Verordnungsprozedere enorme Hürden. Anfragen an das Gesundheitsministerium wurden noch am 2. September damit beantwortet, dass über Regelungen, die ab 15. September gelten erst noch verhandelt wird. Über 95 Prozent seines Publikums sei geimpft, erklärt Nachbauer. Wären in Zukunft nur Geimpfte zugelassen, worüber diskutiert wurde, so hätte er alle Kartenbesitzer eigens angeschrieben. Dazu braucht er die Verordnung aber zeitgerecht, was für österreichische Behörden offenbar ein Problem darstellt. VN-cd

„Es wird übersehen, dass das Publikum eines internationalen Festivals nicht vor Ort ist.“

Die nächste Schubertiade-Reihe dauert vom 30. September bis 5. Oktober. Im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems treten u. a. Lucas und Arthur Jussen und Igor Levit auf.