Willkommene Grenzerfahrung am Spielboden

Begeisternder Neustart beim Tanz-ist-Festival mit Simon Mayer und „Being Moved”.
Dornbirn An zwei Abenden ein gut besetzter Spielboden bei einer Performance, die nun von Dornbirn aus zu Festivals in Holland und Belgien kommt, dazu ein Projekt, das sich als Tanzkunst auf dem schmalen Grat hin zur Tanztherapie positioniert und mit Simon Mayer ein Künstler, der zu den bekanntesten österreichischen Persönlichkeiten der internationalen Tanzszene zählt: Günter Marinelli hat am Wochenende viel aufgeboten, um sein Tanz-ist-Festival nach der Corona-Pause mit zwei Aufführungen, einem Workshop und einem Film wieder an den Start zu bringen.
Das Publikum – darunter Protagonisten der regionalen Tanzszene, Pädagogen und viele, die erstmals Konfrontation mit dieser Kunstform suchten – reagierte begeistert und kann vom 14. bis 16. Oktober bereits die Fortsetzung des Festivals erwarten. Nach vielen Absagen aufgrund der Veranstaltungsverbote und Reisebehinderungen hat Marinelli das Angebot heuer in kleinere Teile gegliedert, Demestri & Lefeuvre aus Belgien werden endlich die Österreich-Premiere der Produktion „Glitch“ bieten, dazu gibt es ein Stück von den Hungry Sharks aus Kärnten, das noch mehr junges Publikum anziehen soll.

Simon Mayer, der heuer mit einer früheren Arbeit auch beim Festival Walserherbst vertreten war, konnte das Projekt „Being Moved“ bislang nur ein Mal in Wien zeigen. Den Oberösterreicher (geb. 1984) mit einem neuen Stück und für Workshops engagieren zu können, dokumentiert Günter Marinellis gute Vernetzung. „Ich beobachte die Arbeiten seit Langem und bin ihm erstmals seit Jahren bei einer Stipendienvergabe begegnet“, erzählt der Veranstalter, der Aufgrund seiner Kenntnisse auch immer wieder einmal Jury- und Kommissionsmitglied ist. Mayer hatte die Wiener Staatsopernballettschule absolviert und an Produktionen dieses Hauses mitgewirkt, bevor ihn Anne Teresa de Keersmaeker für ihre renommierte Compagnie engagierte. Seit Jahren ist er mit eigenen Projekten, aber auch in Ensembles unterwegs.

Mit „Being Moved“ lotet er die Grenzen der Performance aus, ein choreografisches und dramaturgisches Gerüst ist kaum noch vorhanden, der eigene Atem bestimmt weitgehend die Aktion und die Bewegung. Spontaneität und ein enormes Ausdruckspotenzial, das den Körper grundsätzlich, aber auch bildlich zum Instrument werden lässt, geben ihm die Sicherheit, den Kunstbereich nie in Richtung Therapie zu verlassen und dennoch den wesentlichen Aspekt des Atmens zu unterstreichen. In Kommunikation mit den Sound- und Lichtkünstlern, die auf seine Signale reagieren, entstehen komplexe, jedoch dichte Szenen, bei denen die Betrachter, in einer Art, die von Aufführung zu Aufführung variiert, bzw. die man erlebt haben muss, zum Mitgestalter werden. Ein unvergleichliches Erlebnis.
Nächstes Tanz-ist-Programm vom 14. bis 16. Oktober am Dornbirner Spielboden.