Von ortsspezifischen Aspekten des Postmigrantischen

Kultur / 12.09.2021 • 12:00 Uhr
Von ortsspezifischen Aspekten des Postmigrantischen
Skulpturales Objekt von Abiona Esther Ojo, im Hintergrund Werke von Donja Nasseri.  VN/Paulitsch

Gruppenausstellung im Kunstraum Dock 20 in Lustenau widmet sich der Postmigration.

Lustenau Sechs Wochen lang lebten Ezgi Erol und Donja Nasseri, die Residency-Künstlerinnen von DOCK 20, S‑MAK und dem Druckwerk, in Lustenau, um sich mit den ortsspezifischen Aspekten des Postmigrantischen auseinanderzusetzen. Mittels Recherchen – etwa in der Sammlung des Vereins S-MAK – und Interviews mit Lustenauern haben sie künstlerische Positionen für die Ausstellung „This must be my place“ erarbeitet. Nasseri arbeitet zumeist mit Druck, Collagen und Fotografien. Für die Ausstellung im DOCK 20 setzte sich die Künstlerin intensiv mit Stickereimaschinen auseinander, fotografierte sie und erstellte daraus Collagen. Zu sehen sind neben Digitaldrucken auch Bilder, die im Druckwerk Lustenau bedruckt wurden. „The palm of the hand is sweeter than the back of the hand“ steht auf einer der Etiketten, die sie eigens besticken ließ. Die gleichnamige Wandinstallation nimmt die von der Fetischisierung geprägte Beziehung der lokalen Stickereibetriebe zur nigerianischen Käuferschaft in den Blick. Bei weiteren Etiketten setzte sie bewusst auf Spiegelschrift, die auch Zitate eines türkischen Dichters zeigen, der in Vorarlberg gelebt hat. Damit nimmt Nasseri Bezug auf die Herausforderungen beim Erlernen einer neuer Sprache. Ezgi Erol zeigt die Mehrkanal-Videoinstallation „Türwellen“. Diese verweist auf die Erfahrungen von Gastarbeiterinnen mehrerer Generationen in Lustenau. Im Rhythmus der Stickmaschinen, die über zwei Generationen den Takt der Stoffproduktion und des Lebens angaben, entfalten sich in der Arbeit dokumentarische und abstrakte Erinnerungsbilder. Gefilmt wurde zum Teil in der Kinothek in Lustenau, in der auch Filme für die türkische Bevölkerung gezeigt werden.

Cana Bilir-Meier zeigt Grammatikhefte aus dem Deutschunterricht ihrer Mutter, die sie knapp 50 Jahre später mit Kommentaren versehen hat.
Cana Bilir-Meier zeigt Grammatikhefte aus dem Deutschunterricht ihrer Mutter, die sie knapp 50 Jahre später mit Kommentaren versehen hat.

Die in Wien lebende Künstlerin Abiona Esther Ojo zeigt verknotete und spiralartige Objekte aus Stoff, die sie mithilfe des Cyanotypie-Verfahrens mit persönlichen Fotografien bedrucken ließ. Die Struktur der Objekte ist dabei an die Haare afroamerikanischer Frauen angelehnt ist, die einen speziellen Pflegebedarf haben und gerne geknüpft werden. Während Giorgi Gago Gagoshidze in „The invisible hand of my father“ die Geschichte seines Vaters dokumentiert, der bei einem Arbeitsunfall als Gastarbeiter für die Fußball-EM in Portugal eine Hand verloren hat, zeigt Cana Bilir-Meier Grammatikhefte aus dem Deutschunterricht ihrer Mutter, die sie knapp 50 Jahre später mit Kommentaren versehen hat. Ergänzt wird die Ausstellung durch die Video-Collage „Nativity“ des britischen Filmemachers Theo Eshetu, der die Mythen des Ursprungs sowie die Bedeutung medialer Bilder für das westliche Fortschrittsparadigma reflektiert.

“This must be my place. The Other is Us. Zur Idee der postmigrantischen Gesellschaft” läuft bis 24. Oktober 2021.