Rebell, Draufgänger und Actionheld

Kultur / 06.09.2021 • 20:20 Uhr
Belmondo kannte kein Stuntdouble, so wie hier 1975 in Paris bei den Dreharbeiten zu „Angst über der Stadt“. AFP
Belmondo kannte kein Stuntdouble, so wie hier 1975 in Paris bei den Dreharbeiten zu „Angst über der Stadt“. AFP

Filmlegende Jean-Paul Belmondo im Alter von 88 Jahren verstorben.

Paris Lässig, unverschämt und unerschrocken: Jean-Paul Belmondo, von seinen Fans nur liebevoll „Bébel“ genannt, faszinierte die größten Regie-Meister Frankreichs. Jean-Luc Godard, Claude Sautet, François Truffaut und Philippe de Broca rissen sich um den jugendlichen Typ in enger Jeans.

Mehr als 80 Filme

Belmondo spielte an der Seite von Claudia Cardinale, Gina Lollobrigida, Brigitte Bardot und Jeanne Moreau. Mit Filmen wie „Außer Atem“, „Das Geheimnis der falschen Braut“ und „Abenteuer in Rio“ schrieb er Filmgeschichte. Nun ist Belmondo 88-jährig gestorben. Seiner Nachwelt hinterlässt er mehr als 80 Filme – und das Bild eines Haudegens mit breitem Grinsen und zerknautschtem Boxergesicht. Mit „Außer Atem“ machte Godard im Jahr 1959 den damals 26-jährigen Belmondo über Nacht zum Star. Die Filmbewegung Nouvelle Vague setzte mit einer unkonventionellen Erzählstruktur neue cineastische Maßstäbe. Der Film wurde zu einem Meisterwerk und Belmondo zum Aushängeschild der Kino-Rebellen. „Außer Atem“ ließ früh sein Talent als Darsteller von Ganoven und Gangstern erkennen. Und so holte ihn Claude Sautet in „Der Panther wird gehetzt“ als jungen Gangster vor die Kamera. In „Der Teufel mit der weißen Weste“ lässt ihn Jean-Pierre Melville einen Polizeispitzel spielen.

Berufsboxer

Dass ihm auch Verletzbarkeit gut stand, bewies er 1960 in „Stunden voller Zärtlichkeit“ von Peter Brook. In den 70er-Jahren begann er sich immer mehr als Komödiant und Actionstar zu profilieren. Dabei riskierte er auch Kopf und Kragen, denn er kam oft ohne Double aus. Belmondo war kampferprobt. Das lehrte ihn nicht nur das Kino. Als Berufsboxer hatte sich der Sohn eines Pariser Bildhauers über das Wandertheater bis hoch in den Kino-Olymp gekämpft – um dann in den 80er-Jahren wieder tief auf die Erde zu fallen. Als sich das Kino von ihm abwandte, kehrte er zu seinen Anfängen zurück, dem Theater, in dem er über 40 Rollen spielte.

Belmondo mit Laura Antonelli bei der Premiere von „Stavisky“ 1974. AP
Belmondo mit Laura Antonelli bei der Premiere von „Stavisky“ 1974. AP
Mit der Schweizer Schauspielerin Ursula Andress war er von 1966 bis 1974 zusammen, eine seiner längeren Beziehungen. AFP
Mit der Schweizer Schauspielerin Ursula Andress war er von 1966 bis 1974 zusammen, eine seiner längeren Beziehungen. AFP
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