Im Kunstraum Dornbirn wird man von Bildern überflutet

Medienkünstler Tony Oursler setzt seine Serie “Obscura” bildgewaltig fort.
Dornbirn Etwa 10.000 Besucher strömten vor rund zehn Jahren ins Kunsthaus Bregenz, um die Ausstellung von Tony Oursler zu besuchen. Seit den 70er-Jahren beschäftigt sich Oursler mit Medien und deren Entwicklung sowie den Auswirkungen der Informationsflut auf die Menschen. Nun kehrt der 1957 in den USA geborene Medienkunststar nach Vorarlberg zurück und setzt seine seit 1996 fortlaufende Werkserie “Obscura” im Kunstraum Dornbirn fort. Im völlig abgedunkelten Ausstellungsraum präsentiert Oursler mit “Specular” eine mehrteilige Videoinstallation, die Makroaufnahmen einzelner Augen zeigt. Die Besucher treten sieben Sphären in unterschiedlichen Dimensionen gegenüber, manche hängen, andere wiederum liegen.

Die darauf projizierten Videos in einer Länge zwischen 16 und 26 Minuten beschäftigen sich mit sozialen Medien und der kreativen und zerstörerischen Energie von Verschwörungstheorien und behandeln Themen wie die Leugnung der Mondlandung, die Illuminati, die Coronapandemie oder Chemtrails. Oursler arbeitet immer mit den neuesten digitalen Standards, für die Arbeiten im Kunstraum nutzt er die 4K-Technologie. “Ursprünglich war in seiner Serie nur das sichtbar, was sich auf Hornhaut und Iris effektiv reflektiert hat”, betont Kurator Thomas Häusle. Mit der Weiterentwicklung der sozialen Medien und den digitalen Möglichkeiten werden im Kunstraum durch verschiedene Spezialeffekte weitere Bilder auf die Makroaufnahme projiziert. “Dadurch wird eine weitere Ebene der Bilderflut eingeführt.” So wird der Besucher mit Bildern aus sozialen Medien und der aktuellen Berichterstattung regelrecht überflutet. Das Prinzip ähnle einer Camera obscura, nur dass hier nicht das Bild, sondern die Wahrnehmung umgedreht wird. “Auf dem Auge wird das sichtbar, was das Auge sieht.” Der Ausstellungsbesucher steht dabei unter stärkster Beobachtung, ein Gefühl, das bewusst gefördert und erzeugt wird.

Sämtliche Filme sind 2021 entstanden, der letzte gerade erst vor drei Wochen. “Für uns ist das Thema überaus spannend, weil sich der Künstler im Zuge der Pandemie noch einmal verstärkt mit Verschwörungstheorien auseinandergesetzt hat und Videos zeigt, die erstmals zu sehen sind”, freut sich Häusle. Einerseits behandle Tony Oursler das Thema historisch, etwa mit ägyptischen Zeichen oder den Illuminati. Andererseits werden aktuelle Verschwörungstheorien mit Bildern des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump oder Bill Gates verarbeitet.
Die Ausstellung dokumentiert auch den Kampf der Künstlerin Christine Nguyen Hung, die an einer Augenkrankheit leidet und darum kämpft, wieder sehen zu können. Diese Projektion sieht der Künstler als Metapher für das Gleichgewicht zwischen innerer Vision und sich überschneidenden Weltanschauungen. Untermalt werden die sieben Videos von eigenen Soudtracks, die von der Ferne als Medley wahrzunehmen sind.
Gleitende Eröffnung: 2. September, 16 bis 20 Uhr; der Künstler kann aufgrund der Pandemie nicht anwesend sein, Dauer 3. September bis 21. November 2021