Von gefährlichen Lehrern
Ich stelle mir vor: Ich wäre jünger, hätte noch schulpflichtige Kinder, und eine neue, bisher unbekannte Pandemie würde ausbrechen. Nahezu alle Vertreterinnen und Vertreter von Medizin, Wissenschaft und Forschung suchten dringend nach einem Impfstoff und entgegen allen Erwartungen würden sie nach relativ kurzer Zeit auch einen finden. Es ginge einige Zeit bis genügend Probanden getestet würden, um eine Zulassung zu erreichen, dann aber gäbe die EU-Behörde Impfstoffe frei. Ein Aufatmen ginge durch die Welt, denn inzwischen hält die Pandemie tatsächlich fast alle Länder in Atem. Einziger Schutz – nicht vor der Erkrankung, aber vor schwerem Verlauf – ist die Impfung. Die älteren Menschen werden zuerst geimpft, junge drängen nach und drängen vor, weil zu wenig Impfstoff da ist. Schließlich kommt alles in eine Normalität und jede und jeder kann sich impfen lassen. Und da tritt das Unwahrscheinliche ein: Nicht die Masse, aber doch eine wesentliche Gruppe verweigert die Impfung – und bringt damit das gesamte Gesundheitssystem ins Wanken. Nicht zuletzt verweigert eine kleine Gruppe von Lehrern die Impfung.
Wie gesagt, ich stelle mir diese Situation vor zu einer Zeit, als ich Kinder in der Schule hatte. Damals wurden die Kinder selbstverständlich geimpft, gegen Pocken, Diphterie und nicht zuletzt Kinderlähmung. Es war eine Pflichtimpfung, die auch die Lehrerinnen und Lehrer als Jugendliche über sich ergehen lassen mussten. So – und nur so – bekam man die Ausbreitung dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen in den Griff. Vorarlberg war übrigens damals mit Dr. Leopold Bischof, dem Begründer des aks im Land, in vorderster Front tätig. Hätte es damals Corona gegeben und hätte sich damals eine Lehrerin oder ein Lehrer geweigert, sich gegen die Pandemie impfen zu lassen, hätte ich heftige Unruhe in die Schule gebracht, um meine Kinder vor diesen gefährlichen Lehrern zu schützen. Ich hätte Demonstrationen der Eltern in der Schule organisiert, hätte dafür gekämpft, dass diese ungeimpften Lehrer die Schule nicht mehr betreten dürfen, dass sie bei Uneinsichtigkeit auch aus dem Schuldienst entlassen würden.
Eines geht – damals wie heute – nämlich gar nicht: Dass uneinsichtige Lehrerinnen und Lehrer unsere ungeschützten Kinder gefährden. Und genau das passiert, wenn sie sich nicht impfen lassen. Also gibt es nur eine Antwort auf diese Situation: Ungeimpfte Lehrerinnen und Lehrer haben in der Schule nichts verloren, sind vom Dienst auszuschließen. Zum Wohle und zur Sicherheit unserer Kinder. Und als Schlussbemerkung: Gleiches gilt natürlich für die Kindergärten und das gesamte medizinische und soziale Personal.
„Nicht die Masse, aber doch eine wesentliche Gruppe verweigert die Impfung – und bringt damit das gesamte Gesundheitssystem ins Wanken.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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