Symphonieorchester Vorarlberg sorgte für Jubel zum Festspielfinale

Kultur / 23.08.2021 • 07:00 Uhr
Symphonieorchester Vorarlberg sorgte für Jubel zum Festspielfinale
Leo McFall mit dem Symphonieorchester Vorarlberg. BF/Lisa Mathis

Mit Leo McFall als Chef hat das Symphonieorchester Vorarlberg eine exzellente Wahl getroffen.

Bregenz Davon konnte man sich in der Matinée überzeugen, bei der der Brite zum ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen auftrat. Beethovens „Egmont“-Ouverture ist Klassikliebhabern gut bekannt, doch hier gelang eine spannungsgeladene Interpretation, vom mollverhangenen Anfang bis zur triumphalen Steigerung am Schluss. Keine Spur von Routine, sondern überschäumende Musizierfreude gab es auch in Haydns Sinfonia concertante in B-Dur, in der vier Musiker eine Solistengruppe bilden: Konzertmeister Pawel Zalejsky (Violine), Mathias Johansen (Violoncello), Heidrun Wirth-Metzler (Fagott) und als einziges Nicht-Orchestermitglied Viola Wilmsen (Oboe), Solo-Oboistin im Deutschen Symphonieorchester Berlin. Den führenden Part unter den Solisten hat die Geige, und Zalejski kam seiner Rolle mit kraftvoller Tongebung und gleichzeitig eleganter Verspieltheit nach. Sehnsüchtige Kantilenen im zweiten Satz, atemberaubende Läufe bei den Bläserinnen und dem Cello im dritten – es war eine reine Freude, den “Fabulous Four“ des SOV und dem mit Präzision und Klangschönheit begleitenden Orchester zuzuhören. Der begeisterte Applaus wurde durch ein köstliches Mozart-Medley belohnt, „Eine kleine Lachmusik“ von Wolfgang Schröder.

Nach der Pause versetzte ein Sprung ins 21. Jahrhundert in extreme Klangwelten: Thomas Larchers dritte Symphonie „A Line above the Sky“ erlebte ihre österreichische Erstaufführung. Hatte McFall im ersten Teil seine kammermusikalischen Fähigkeiten bewiesen, galt es hier, mit einem über achtzigköpfigen Orchester mit großer Schlagwerkbesetzung, Klavier, Zymbal, Akkordeon und Harfe eine herausfordernde Partitur umzusetzen. Das Werk ist nach der weltweit schwersten Kletterroute in den Dolomiten benannt. Laut Programm geht es im ersten Satz um ein „Zeugnis der Intensität des Lebens“, im zweiten um eine „Trauermusik“. Man hörte monumentale Musik mit starken Kontrasten: brucknerartige Bläserchoräle, grelle Effekte im Schlagzeug, leise Glissandi und hämmernde Pizzicati in den Streichern, überhaupt viele ungewöhnliche Spieltechniken. Manchmal erinnerte es an Musik zu einem Bergkatastrophenfilm, die einen als Zuhörerin überwältigte, eine Aneinanderreihung facettenreicher Klangflächen, in der ein kompositorischer Ablauf jedoch nicht leicht erkennbar war. Großer Jubel auch hier für Komponist, Dirigent und Orchester.  Ulrike Längle