Die Schubertiade gibt es wieder und damit auch den Kampf um die Publikumsgunst

Schubertiade-Auftakt mit Debütantin Katharina Konradi und Kammermusik.
SCHWARZENBER So vertraut und doch so fern – seit fast genau zwei Jahren gab es in dieser ländlichen Idylle keine Schubertiade mehr. Nun, nach endlosen Corona-Zeiten, kommt das weltgrößte Liederfestival langsam wieder auf Touren, und die Erleichterung darob ist unter den Schubertianern so groß wie deren Wiedersehensfreude. Und da ist es auch wieder, dieses Gefühl schon in den ersten Konzerten, das von der Begeisterung der Musiker auf die Zuhörer überschwappt, sich dort in Beifallsorgien und Getrampel Luft macht. Die 19 Konzerte der Herbstsaison sind etwas weniger verkauft als zuletzt, denn infolge bis vor kurzem geltender rigoroser Einreisebeschränkungen sind diesmal Gäste und Reisegruppen aus England und Übersee weggebrochen, wie Pressedame Evelyn Gmeiner berichtet: „Das Interesse ist aber ungebrochen und es gibt gute Chancen, auf diese Weise kurzfristig Karten für sonst Monate im Voraus ausgebuchte Konzerte zu erhalten.“
Inoffiziell eröffnet wurde die Schubertiade am Vormittag mit einem Livegespräch, das Elke Tschaikner für das Kulturradio Österreich 1 mit Brigitte Fassbaender führte, die hier einen Meisterkurs leitet. Am Nachmittag setzt die kirgisische Sopranistin Katharina Konradi dort an, wo das Festival im Vorjahr geendet hat. Sie hatte bei der Reihe „Junge Stimmen“ in Hohenems so gut entsprochen, dass Gerd Nachbauer ihr für 2021 das Debüt in Schwarzenberg ermöglichte. Das ist nun freilich ein gewaltiger Unterschied für eine junge Künstlerin, hier auf Anhieb im großen Saal vor diesem internationalen Fachpublikum bestehen zu müssen. Eine leichte Anspannung im ersten Block lächelt sie tapfer weg, setzt ihre wunderschöne, traumhaft geführte Stimme ins Treffen. Doch der Respekt vor dem Säulenheiligen ist groß, ihre Schubertlieder bleiben brav und einförmig, der Applaus ist reserviert. Auch der feinsinnige, pointiert formende Wolfram Rieger als Klavierpartner müht sich da vergeblich um Akzente.
Doch Katharina Konradi gibt so schnell nicht auf. Schritt für Schritt, alles auswendig, erobert sie sich die Gunst der Zuhörer und kann schon bei Liedern von Richard Strauss punkten, dessen jubelndes „Heimliche Aufforderung“ neue Farben und Ausdrucksmittel offenbart. Leichtfüßige französische Gesänge von Fauré führen zum Glanzpunkt, den „Mignon“-Liedern nach Goethe. Sie kann also doch Schubert singen, nach wie vor das Schwerste im Liedgesang, gerade für junge weibliche Stimmen. Da findet sie nun, völlig entspannt, zu ihrer wahren Form, einem berückenden Piano, einer wirkungsvollen Darstellung, auch wenn ihre Diktion noch etwas nachhinkt. „Heil’ge Nacht“ als zweite Zugabe wird zum Non-plus-Ultra an Innigkeit.

Der Nachmittag gehört einer Kammermusikbesetzung, die bei altgedienten Schubertianern viele Erinnerungen weckt. So ist man den Stützen dieser variablen Formation hier schon seit Jahrzehnten begegnet. Die Klarinettistin Sabine Meyer etwa debütierte 1985, nachdem Karajan sie gegen den Willen des Orchesters als erste Frau ans Solopult der Berliner Philharmoniker berufen hatte, die Bratschistin Veronika Hagen ist mit ihren Geschwistern im Quartett ebenso lange tätig. Bruno Schneider, der als Senior in der Runde seinen heiklen Hornpart brillant bewältigt, wirkt ebenso wie sein norwegischer Kollege Dag Jansen am Fagott seit 1993 in dieser Besetzung. Antje Weithaas als erste Geigerin schließlich kam 2006 zum Festival und hält mit ihren fantastischen geigerischen Qualitäten das Ensemble auch heute zusammen. Für Christine Felsch dagegen, die reizende junge Dame am Kontrabass, ist es das Debüt.
Als Programm hat man sich einen interessanten Kontrast ausgedacht, der Kenner und Newcomer gleichermaßen befriedigt. Beethovens klassisches Septett in Es-Dur wird einer Rekonstruktion der wenig bekannten Serenade Nr. 1 D-Dur von Brahms gegenübergestellt. An Beethovens viel gespieltem Standardwerk entzünden sich durchaus auch neue Ideen. Dagegen wird das naturnahe volksmusikalische Material in Thematik und Rhythmik, das Brahms in seiner Serenade herzerfrischend und gekonnt für Nonett verarbeitet hat, so lebendig musiziert, dass an diesem Spätsommertag sogar im Angelika-Kauffmann-Saal die Sonne aufgeht. Fritz Jurmann
Schubertiade Montag: 10 Uhr Meisterkurs mit Brigitte Fassbaender, 16 Uhr Marc-Andrè Hamelin, Klavier, 20 Uhr Christoph Prégardien, Tenor