Theater im Sommer, weil es heutzutage die härtere Gangart braucht

Ensemble Unpop bietet mit „jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz noch in der Ferienzeit anregende Begegnungen.
Dornbirn, Lustenau Das „Schauspiel ohne Grund“ hat sich als besonderes Ereignis in der Vorarlberger Theatergeschichte festgeschrieben. Nachdem im Frühjahr 2020 pandemiebedingt alle Veranstaltungen verboten wurden, die Politik die Kultur aber auch dann vergaß, als man in anderen Bereichen längst wieder aktiv werden durfte, setzten Vorarlberger Gruppierungen wie das Walktanztheater und das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung (Unpop) sowie Willi Pramstaller mit seinen Caravan-Kulturprojekten ein Zeichen. Obwohl man bei weggefallenen Einnahmen um das finanzielle Überleben rang, wurde ein Projekt konzipiert, das verdeutlichte, dass Theater in unserer Gesellschaft immer auch ein Kommunikationsmittel darstellt. Mit strikten Abstandsauflagen unter freiem Himmel war es realisierbar. Schauspieler positionierten sich im Grünbereich beim Lustenauer Freudenhaus-Zelt und trugen Monologe aus bekannten Dramen vor, die das Publikum abwandern konnte. Dieses reagierte mit Dankbarkeit und Begeisterung.

Dass Corona im Herbst noch viel dicker kommen könnte, war damals nur eine Befürchtung. Sie hatte sich bewahrheitet, aber ab Mitte März dieses Jahr war Vorarlberg Modellregion. Vor jeweils hundert Zuschauern und vor 20 Uhr durfte gespielt und musiziert werden, und wer das wirtschaftlich irgendwie verkraften konnte, hatte Projekte realisiert. Das Ensemble Unpop spielte das politisch konnotierte Stück „Die dritte Republik (eine Vermessung)“ von Thomas Köck und stand jetzt sofort parat, als Pramstaller eine weitere Kooperation anbot. Anstatt die Theaterferien zu absolvieren, wurde somit geprobt, ab 19. August steht „jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz auf dem Spielplan im Park beim Dornbirner Kulturhaus mit einer Schlechtwettervariante im Freudenhaus-Zelt. Regisseur und Theaterleiter Stephan Kasimir hat längst eine Affinität zu den Stücken des Österreichers entwickelt, außerdem spielte er dessen „Herzerlfresser“ vor dem ersten Lockdown. Mit einem Schmalz-Stück neu zu starten, ist für Kasimir somit passend, für Theaterkenner ist auch die Stückwahl ideal.
Kein Mysterienspiel
Während der „Jedermann“ auf dem Salzburger Domplatz noch läuft, wird mit dem Schmalz-Text kein Mysterienspiel moderner Art nachgeliefert, der Autor bevorzugt die härtere Gangart. Seine Titelfigur versucht trotz Verfehlungen im Diesseits nicht mehr, sich im Jenseits dennoch eine möglichst gute Position zu ergattern, derlei Aktivitäten wären umsonst. Der Mensch geht bzw. stirbt, die Macht des Kapitals bleibt. Die entsprechenden Mechanismen werden dargelegt. Ohne abgegriffene Effekte oder platte Beispiele zu bemühen, ist das Theater bei Schmalz Ort der Auseinandersetzung.
Die Mitwirkenden sind unter anderem Maria Fliri, Helga Pedross, Wolfgang Pevestorf, Simon Alois Huber und Benjamin Vanyek. Johannes Gabl, im Land noch gut bekannt von früheren Produktionen des Vorarlberger Landestheaters oder des Theaters Kosmos, übernimmt die Titelrolle.
Premiere von „jedermann (stirbt)“, 19. August, 20.30 Uhr, Kulturhauspark Dornbirn: unpop.at Ausweichtermin bei Schlechtwetter: Freudenhaus Lustenau