Kurz und definitiv oho

Kultur / 10.08.2021 • 18:35 Uhr
Szene aus dem Film

Szene aus dem Film “White Eye”.

Begeisternd unkorrekt startete am Dienstagabend das Alpinale-Kurzfilmfestival.

Bludenz Das Alpinale-Kurzfilmfestival hat sich gemacht und legt Jahr für Jahr noch einen Zahn zu. Das betrifft die Bandbreite der Einreichungen ebenso wie die Qualität des Gezeigten. Da war zum Auftakt am Dienstagabend beispielsweise mit „White Eye“ einer israelische Produktion von Tomer Shushan mit im Programm. Im Vordergrund steht ein weißes Fahrrad, das gestohlen wurde und – gut verschlossen – an einer Häuserecke wieder auftaucht. Eigentlich geht es aber um den Mann, dessen Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen ist, der seine kleine Tochter täglich mit besagtem Rad zum Kindergarten fährt, der in einem Fleischgroßhandel arbeitet und am Schluss im Polizeiauto in eine ungewisse Zukunft verschwindet. Kurzes Durchatmen und schon kommt da der französische Animationsfilm „Precious“ von Paul Mas. Erzählt wird die Geschichte von Julie, einer Außenseiterin. Dann aber kommt Emile in die Klasse, ein autistischer Junge. Jetzt ist er der Außenseiter.

Zwischen Tod und Leben

Vier Minuten Schmunzeln darf man dann dafür bei „Benztown“, einer deutschen Produktion von Gottfried Mentor über Stuttgart und die Idee, was wohl passieren würde, wenn sich die Stadt gegen den dichten Verkehr wehren könnte. Da verschwindet gerne schon mal ein Vehikel im gefräßigen Tunnel-Schlund. „10 Euro Zuschuss“ von Elias Rauchenberger aus Österreich greift schließlich das aktuelle Thema der Zivildiener auf, die in den Krankenhäusern plötzlich und unvorbereitet zwischen Tod und Leben stehen.

So ließe sich die Liste des ersten Festivalabends noch fortsetzen. Ob man mit „Intermission“ von Anthony Lemaître drei Jugendlichen in Frankreich in den Cineasten-Club folgt oder mit „Masel Tov Cocktail“ von Arkadij Khaet und Mickey Paatzsch einem jungen Juden in Deutschland begegnet. Der erklärt dann übrigens gerne, was es heißt, heute Jude in Deutschland zu sein – frech, schnoddrig und nicht minder selbstkritisch.

Ein guter Kurzfilm ist eine Herausforderung. Manchmal vielleicht sogar noch mehr, als sein Pendant in Spielfilmlänge. Denn hier hat man eben nur gut 30 Minuten Zeit, um eine Geschichte zu erzählen, um die Charaktere sich entwickeln zu lassen, um Details einzuführen und auch wieder aufzulösen. Sie engagiere sich, „damit ich mit kreativen Menschen etwas bewegen und manchmal auch experimentieren kann“, erklärt Festivalintendantin Manuela Mylonas. VF

Szene aus dem Animationsfilm

Szene aus dem Animationsfilm “Precious”.

Die Alpinale läuft in Bludenz bis 14. August. Im Bild eine Szene aus „10 Euro Zuschuss“, einem österreichischen Beitrag. alpinale
Die Alpinale läuft in Bludenz bis 14. August. Im Bild eine Szene aus „10 Euro Zuschuss“, einem österreichischen Beitrag. alpinale

Die Fachjury 2021

Jury Wettbewerb international

Gerlando Infuso (Regisseur)

Lotte Kircher (Internationale Kurzfilmtage Winterthur)

Denis Mujovic (Produzent)

 

Fachjury Vorarlberg-Shorts

Felix Kalaivanan (Drehbuchautor)

Anna Starzinger (Schauspielerin, Musikerin)

Thomas Taborsky (Filmkritiker)