“Fidelio” in Lech als Fest mit Experimentalcharakter

Das Lech Classic Festival lieferte eine aufschlussreiche Begegnung mit Beethovens Oper.
Lech Der „Fidelio“-Schluss ist, wenn die Szene nicht die Musik kontrastiert, immer eine Freude, meistens auch ein Fest. So geschehen auch gestern Abend in Lech, wo Ludwig van Beethovens Oper in konzertanter Form, in gut machbarer Orchesterbesetzung für die reduzierte Fassung von Igor Retschitsky zur Aufführung kam. So funktionieren gute Radiosendungen mit kommentierenden Texten, nach denen die jeweiligen Arien, Duette und Quartette, diese hat Beethoven besonders schön ausgeprägt, zu Gehör gebracht werden.

Im Konzertsaal wirkt dieses gut gemeinte Konzept mit sehr ausführlichen inhaltlichen Erläuterungen etwas bemüht bzw. wie ein Experiment, da kann der Schauspieler (hier ist es Joseph Lorenz) ein noch so guter Rezitator sein. Wer die Oper noch nicht so gut kannte, erlebte eine aufschlussreiche Begegnung, für die anderen erweist sich die Produktion vor allem deshalb als stimmig, weil das Lech Classic Festival heuer ausschließlich Beethoven gewidmet ist und die einzige Oper trotz des enormen Aufwands, den sie bedingt, deshalb nicht fehlen sollte. Ein paar Arien hätten da nicht genügt. Der Applaus bestätigte die Wahl. Das jubelnde Publikum würdigte das Engagement der Veranstalter.

Das schon beim Festivalstart vor knapp einem Jahrzehnt gegründete Orchester machte entsprechend des Rahmens in der Tat glücklich. Sein Leiter Michael Güttler weiß, dass es guttut, wenn er es zuweilen sehr forsch angeht und dann wieder auf die Tragfähigkeit des Klangs für die Ensemblestellen achtet. Während der Männerchor im ersten Akt noch Wünsche offen ließ, war die Kraft im Finale da. Für den für Sonntag angekündigten 4. Satz der 9. Sinfonie wird man sie noch brauchen. Unter den Solisten berührt und überzeugt vor allem die Kanadierin Leah Gordon mit ihrem Rollendebüt als Leonore, Marzelline (Ivana Rusko) zeigt eine schöne Höhe, bräuchte aber noch etwas mehr Weichheit, und mit den Herren wird man – vorsichtig gesagt – nicht durchwegs froh. Das schwierige Quartett im ersten Akt versöhnt nicht mit allem, was hier im Großen und Ganzen unerfüllt bleibt. Man hört die guten Anlagen von David Sitka als Joaquino, erfreut sich an der Frische von Peter Kellner als Rocco, der als Einspringer für den erkrankten Ain Anger präsenter sein könnte. Don Pizarro (Mathias Hausmann) ist es, Ferdinand von Bothmer (Florestan) kämpft sich durch. In leuchtende Augen blickt man beim Auszug des Publikums dennoch.
Weitere Konzerte beim Lech Classic Festival am 7. und 8. August, jeweils 17 Uhr, u. a. 2. Satz aus der 3. Sinfonie Beethovens, 4. Satz aus der 9. Sinfonie.