Oft beschirmt nur der Applaus

Kultur / 04.08.2021 • 22:15 Uhr
Bislang konnten heuer alle „Rigoletto“-Aufführungen auf dem See gespielt werden. Und das, obwohl es mitunter geregnet hat und der Wasserspiegel steigt. VN/Steurer
Bislang konnten heuer alle „Rigoletto“-Aufführungen auf dem See gespielt werden. Und das, obwohl es mitunter geregnet hat und der Wasserspiegel steigt. VN/Steurer

Die Natur bot Festspielkünstlern und -publikum bereits eine besondere Herausforderung.

Bregenz Dass Gummistiefel und ein Regenmantel zum Outfit für ein Open-Air-Festival gehören, das weiß jeder Rockmusikfan. Opernliebhaber, die sich von klassischer Musik verzaubern und von einer packenden Geschichte fesseln lassen, dürfen in Bregenz davon ausgehen, dass den Sängerinnen und Sängern nicht nur etwaige Tücken der Partitur nichts anhaben können, sondern dass sie auch wetterfest sind. „Es entsteht so etwas wie ein Schulterschluss zwischen Publikum und Künstlern, die sich sagen, wenn uns 7000 Leute zuschauen, dann singen wir auch bei Regen“, erzählt Michael Csar, der als Künstlerischer Betriebsdirektor die Betreuung der Künstler leitet. „Wenn es zwischendrin regnet, haben wir oft mehr Applaus.“ Bei den letzten Aufführungen von „Rigoletto“ auf der Seebühne hat sich das im Besonderen gezeigt. Am Sonntagabend hörte der Regen gerade noch zeitgerecht auf, am Dienstag war es ziemlich nass und der Mittwoch war eine Zitterpartie.

Die Alternative hieße allerdings rund 5000 Menschen, die zum großen Teil eigens angereist sind, wieder nach Hause zu schicken, während rund 1600 Besucher eine halbszenische Aufführung im Festspielhaus sehen. Heuer ist es noch zu keiner Absage gekommen.

Individuelle Rollengestaltung

Die Kostüme sind wasserabweisend und werden den Wärmebedürfnissen der Träger angepasst, erklärt Csar. Rutschfeste Schuhe und ein Stuntteam, das auch für die Sicherheit jedes Sängers sorgt, lassen eine Inszenierung zu, bei der es neben dem Clownskopf auch riesige Hände zu beklettern gilt, und in der Gilda zu ihrer schönsten Arie mit einem Ballon in die Höhe schwebt. „Wir haben alle drei Gildas (Stacey Alleaume, Hila Fahima und Ekaterina Sadovnikova) langsam an die Aufgabe herangeführt“. Dass sie in schwindelnder Höhe die Beine aus dem Ballonkorb schwingen lassen, habe der Regisseur Philipp Stölzl niemals verlangt, die Szene entstand aus individueller Rollengestaltung.

Der heuer noch etwas praller gefüllte Ballon ist übrigens zertifiziert und offiziell als Flugfahrzeug zugelassen, bestätigt Technikdirektor Wolfgang Urstadt. Macht ihm der hohe Wasserstand des Bodensees Sorgen? „Er steigt seit gestern wieder an, aber wir sind noch weg vom kritischen Niveau.“ VN-cd

„Die Sängerinnen und Sänger werden gut darauf vorbereitet, was hier auf sie zukommt.“

“Rigoletto” steht bis 22. August, jeweils 21 Uhr, auf dem Bregenzer Festspielprogramm. Nächste Festspielpremiere: 5. August: “Lohn der Nacht” von Bernhard Studlar.