Künstler Marbod Fritsch hat aus gutem Grund einen Baum gepierct

Kultur / 03.08.2021 • 22:39 Uhr
Baumpiercing von Marbod Fritsch für die Biennale in Schwabach. fritsch
Baumpiercing von Marbod Fritsch für die Biennale in Schwabach. fritsch

schwabach Nein, er selbst hat kein Piercing, erklärt Marbod Fritsch mit Nachdruck. Dem Vorarlberger Künstler (geb. 1963) ist der Trend mit fix am Körper verankertem Schmuck auch etwas suspekt. Warum hat er dann einen Baum gepierct? Die Antwort führt in den bayerischen Ort Schwabach, wo biennal eine Skulpturenausstellung unter freiem Himmel veranstaltet wird. Fritsch, den man hierzulande auch von einigen Kunst-am-Bau-Projekten kennt, wurde neben rund 30 weiteren Künstlerinnen und Künstlern eingeladen, erhielt den zentralen Königsplatz zugewiesen und hatte es dort auf einen Baum abgesehen.

Die Arbeit mit dem Titel „the piercing – (do you really want to hurt me?)“ hat Marbod Fritsch aus der Beschäftigung mit der Form des Kreises sowie der Schnittstelle von Kunst und Natur entwickelt.  Er interessiert sich dafür, wie er sagt, „wie und unter welchen Bedingungen wir bereit sind, ein unwiderrufliches Bild zu schaffen und ob diese Kunst am eigenen Körper anfängt oder aufhört.“ Dabei sei erwähnt, dass mit den örtlichen Förstern abgesprochen wurde, dass der Baum als höchst schützenswertes Gewächs beim Piercen unverletzt bleibt. Fritsch: „Bäume sind in vielerlei Hinsicht eine Verlängerung unseres Organismus, sie produzieren Sauerstoff und sind gleichzeitig allen kulturellen Bewegungen und Ideen der Menschen ausgesetzt. Trotzdem macht es einen wesentlichen Unterschied, ob wir freiwillig in unsere eigene körperliche Integrität eingreifen oder in die eines anderen Lebewesens oder einer anderen Lebensform.“ VN-cd

Alle Arbeiten der Ausstellung „Ortung“ in Schwabach sind vom 7. bis 22. August, jeweils Mo, Di, Mi, 13 bis 19 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa, 11 bis 19 Uhr, zu sehen.