In Lech versteht man Beethoven zu feiern

Kultur / 03.08.2021 • 08:00 Uhr
In Lech versteht man Beethoven zu feiern
Die Trachtenkapelle Lech über dem Sportpark, wo Konzerte und eine Opernaufführung stattfinden. Lech Classic/Dietmar Hurnaus

Der Start des Lech Classic Festivals wurde zu etwas Besonderem.

Lech Wenn es mit so viel Engagement, Ideen und einer guten Programmkonzeption passiert, dann darf, nein, soll ein 250. Geburtstag auch im 251. Jahr gefeiert werden, zumal er der von Ludwig van Beethoven (1770–1827) ist. Der Grund der Terminverzögerung, die Pandemie, wird uns hoffentlich nicht mehr lange plagen. Wäre das Virus schreckhaft, so hätte man in Lech jedenfalls ein Mittel dagegen. Um Beethovens Schlachtensinfonie dramaturgisch entsprechend zu inszenieren, ließ man neben der Trachtenkapelle Lech am Arlberg auch die Schützenkompanien aus St. Anton und Pettneu aufmarschieren, intonieren und feuern. Für die einen war es ein großartiges, für die anderen einfach ein sehr buntes Bild und der Salut hat auf jeden Fall gepasst. War doch die Absicht der seltenen Realisierung über 200 Jahre nach der Uraufführung des Werks im Jahr 1813 eine rein friedlich-festliche.

Das Orchester im akustisch passablen Sportpark.
Das Orchester im akustisch passablen Sportpark.

Beschaulich braucht ein Beethovenfest schließlich nicht zu sein, das Marlies und Franz Wagner mit dem am Montagabend eröffneten Lech Classic Festival verantworten. In der 9. Auflage ist es zu einer großen Veranstaltungsreihe herangewachsen. Der als Konzertsaal adaptierte Sportpark in Lech mit der Kletterwand als Orchestermuschel kann bis zu 600 Zuhörer fassen und wird im Laufe der Woche – um der Atmosphäre entsprechen zu können – sicher auch einem kleineren Auditorium ein Ambiente bieten. Man hat des Weiteren nicht nur eine konzertante Aufführung von Beethovens einziger Oper „Fidelio“ im Programm, sondern auch alle fünf Klavierkonzerte, Sätze aus den Sinfonien und die Ouvertüre zu „Egmont“. Mit eigens gegründetem Chor und Orchester, die ihre Stärken längst zeigen konnten, sowie guten Solisten ist dies möglich.

Zum Start wurde das 5. Klavierkonzert in Es-Dur gewählt. Jasminka Stancul erwies sich als begeisternde Interpretin. Auf das Klangbild eines kleiner besetzten Orchesters hatte man sich rasch eingehört, dass der Klavierton dabei etwas in den Vordergrund rückt, fängt die erfahrene Künstlerin und Professorin an der Wiener Musikuniversität ausgezeichnet auf. Der packende Zugriff gerät ohne Pathos oder übertriebenes Sentiment. Das „Tripelkonzert“, op. 56, haben Musikfreunde grundsätzlich gut im Ohr. In Lech ist es von forschem Temperament getragen, das Dalibor Karvay (Violine) vorantreibt, als gelte es zu zeigen, dass die bei den Bregenzer Festspielen eingesetzten Wiener Symphoniker, deren Konzertmeister er ist, auch dieses bestens drauf haben. Gottlieb Wallisch (Klavier) gefällt als souverän-ruhiger Pol, Sebastian Bru als energiegeladener Cellist. Das Orchester unter Michael Güttler zeigte sich mit gut erkennbarer Spielfreude in echter Feierlaune.

Auch Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums in Wien, hatte sie in ihrer Festrede entfacht, in der sie Beethoven als Naturfreund und Verfechter künstlerischer Betätigung pries, die wir brauchen.

Lech Classic Festival
Lech Classic Festival

Konzerte des Lech Classic Festivals bis 8. August; 3. August: Klavierkonzerte Nr. 3, 4 und Sinfonie Nr. 5 von Beethoven, 6. August, “Fidelio” konzertant, jeweils 17 Uhr.

Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums in Wien hielt die Festrede.
Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums in Wien hielt die Festrede.
Lech Classic Festival
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