Mit “Das Rheingold” schreiben die Festspiele Orchesterkonzertgeschichte

Andrés Orozco-Estrada und Johannes Erath bringen eine Wagner-Oper in Bregenz auf besondere Art zur Wirkung.
Bregenz Intendantin Elisabeth Sobotka könnte sich Richard Wagners Oper „Das Rheingold“ auch für die Seebühne vorstellen. Das Orchester und die Besetzung hätte sie schon, thematisch und von der Story her nachvollziehbar, wäre das Werk für das notwendige breite Publikum allerdings ein riskantes Unterfangen. Aufgrund des Aufwands immer noch mutig ist die Programmierung des Werks im Rahmen der Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker. Dass das Publikum einen solchen Abstecher ins Opernfach goutiert, hat es am Sonntagmittag im Bregenzer Festspielhaus jubelnd bekundet und die „Rheingold“-Kenner haben wohl keine Zutat vermisst. Mit dem allseits bekannten „Wagalaweia“ der Rheintöchter lässt sich das 75-Jahr-Jubiläum der Bregenzer Festspiele bestens feiern.

Dass Andrés Orozco-Estrada das berühmte Natur-Motiv vor deren Gesang gar so zerdehnt und auch dem Finale den Anschein gibt, sich unter jene „Ring“-Dirigenten reihen zu wollen, die den Längenrekord in der Aufführungsgeschichte des Werks zu brechen versuchen, hat allerdings etwas irritiert. Den Vorabend zum Bühnenfestspiel, dem „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ folgen, mit einer Pause zu unterbrechen, ist zudem ein dramaturgischer Unsinn. Die etwa zweieinhalbstündige Oper (die bei Kirill Petrenko etwa zehn Minuten kürzer war) wird normalerweise durchgespielt.
Nichts verulkt
Die szenische Lösung, die Johannes Erath gemeinsam mit Bibi Abel für das auf der Bühne positionierte große Orchester konzipierte, braucht nicht beispielgebend zu sein, sie kommt aber sehr gut zur Wirkung. Wotan schart seine Göttersippe mitten unter den Musikern um den Tisch, die befrackten Rheintöchter agieren im Bühnenvordergrund und – dank Videoprojektion – rhythmisch unter Wasser und weil es dort nass ist, werden immer wieder Schirme aufgespannt. Das Wetter am Bodensee, durch den der Rhein fließt, hat seine Tücken und weil nicht alles filmisch ablaufen soll, wird Fasolt in der Badewanne ertränkt, während die Götter mit einiger Ironie in der Pfänderbahn Party feiern – oder doch noch in den See tauchen. Die „Götterdämmerung“ nimmt Erath beim Weg nach Walhall gleich vorweg und Sozialkritik darf durchschimmern, wenn Alberich die Seinen unterdrückt. Da ist viel Witz, aber es wird nichts verulkt.

Mit Einspringer Markus Brück hat man für den erkrankten Martin Winkler einen tollen Alberich geangelt, Claudia Huckle gibt eine wunderbare Erda und reiht sich mit Liv Redpath und Svetlina Stoyanova ins gute Rheintöchter-Trio. Annika Schlicht ist eine geschmeidige Fricka und Michael Nagl ein kraftvoller Donner. Brian Mulligan ist ein absolut kompetenter Wotan, er kann, aber braucht nicht dunkler zu sein. Der an sich versierte Loge (Will Hartmann), eine extrem kraftraubende Partie, verlangt allerdings nach etwas mehr Grellem. Die Freia von Gal James weckt Erinnerung an ihre großartige Leistung in „Beatrice Cenci“ vor drei Jahren, Patrik Reiter (Froh), John Heuzenroeder (Mime) Levente Páll (Fasolt) und Dimitry Ivashchenko (Fafner) entsprechen dem hohen musikalischen Niveau dieser „Rheingold“-Darbietung, in der die Wiener Symphoniker viele Wagner-Motive zu einem Klangerlebnis hoher Güte werden lassen.

Drittes Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker im Bregenzer Festspielhaus am 8. August, 11 Uhr, unter Omer Meir Wellber, Werke von Charles Ives, Strauss und Bruckner.

