Max Simonischek in “Michael Kohlhaas” bei den Festspielen gefeiert

Kultur / 25.07.2021 • 12:00 Uhr
Max Simonischek in "Michael Kohlhaas" bei den Festspielen gefeiert
Regisseur Andreas Kriegenburg hat auch die Bühnenfassung nach der Novelle von Kleist erstellt. Die Uraufführung fand am Freitagabend im Bregenzer Kornmarkttheater statt und wurde mit sehr viel Applaus aufgenommen.  VN/SERRA

Andreas Kriegenburg erzählt Heinrich von Kleists Kleists “Michael Kohlhaas” aus neuer Perspektive und definiert Machtverhältnisse.

Bregenz Aufgrund seiner Strukturiertheit konnte Michael Kohlhaas gar nicht anders handeln. Dem im 16. Jahrhundert lebenden Pferdehändler ist großes Unrecht widerfahren, er greift zur Selbstjustiz und gerät dabei in einen Strudel der Gewalt. Im Kern einer Auseinandersetzung mit der Anfang des 19. Jahrhunderts erschienenen Novelle von Heinrich von Kleist (1777-1811) kann nur die Frage stehen, ob es nicht einen anderen Ausweg gegeben hätte. Während es Autorinnen und Autoren der Sekundärliteratur obliegt, die Beschaffenheit des Rechtssystems bzw. den Moralkonsens einer Gesellschaft zu erörtern, die derlei Reaktionen verhindern, befasst sich der deutsche Regisseur Andreas Kriegenburg auch mit den Mechanismen eines Geschlechtersystems, das Kohlhaas – egal in welchem Jahrhundert er lebt – zu dem machte, was er ist.

Mit der sprachlich leicht modifizierten Bearbeitung der Novelle für die Bühne setzen die Bregenzer Festspiele die mit „Don Quijote“ im Sommer 2019 wieder aufgenommene Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater Berlin fort. Am Freitagabend fand die über zweieinhalbstündige Uraufführung des Stücks im Theater am Kornmarkt statt. Das Publikum feierte Max Simonischek als Titelfigur, der sich, im Grunde völlig logisch, in diesem Konzept nicht in den Fokus stellt. Ein manieriertes Ringen mit dem Verhalten, der Kampf des Menschen gegen ein korruptes System hat ausgedient, Simonischek hat dem Bühnenkonzept bzw. eher dem -experiment zu dienen, das die Handlungsstrukturen zugunsten verschiedener Betrachtungsperspektiven auflöst.

Dass weibliche Figuren als Erzählerinnen und Rechtsvertreter eingesetzt und performative Elemente hinzugefügt werden, scheint nachvollziehbar und gewiss nicht irritierend. Die Crux im patriarchalen System auszumachen, ist nicht neu und lässt sich hier trotz einiger lauter Männlichkeitsklischees auch nicht als Verwendung eines feministischen Blickwinkels fehldeuten. Es geht um Herrschaftstypologien, die in der mitteleuropäischen Gesellschaft zwar als überholt betrachtet werden, die aber noch existent sind. Dies zu akzentuieren kann, wie sich zeigte, einen Theaterabend tragen. Da darf die Ausstattung (Harald Thor, Andrea Schraad) auch eine düstere Bretterbude bleiben, wenn Lorena Handschin und Brigitte Urhausen mit Vernunft auftreten.

<p class="caption"><p class="caption">               <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span>                       </p>

 

Weitere Aufführungen am 24. und 25. Juli, 19.30 Uhr, im Theater am Kornmarkt in Bregenz.