Gedächtniskunst als Lebenswerk: Christian Boltanski ist tot

Kultur / 14.07.2021 • 21:47 Uhr
Christian Boltanski im Jahr 2011 im Frankreich-Pavillon auf der Biennale Venedig. ap
Christian Boltanski im Jahr 2011 im Frankreich-Pavillon auf der Biennale Venedig. ap

paris Zu Mauern aufgebaute Metallkästen, nackte Glühbirnen, die von der Decke hängen, Stapel von getragenen und ungetragenen Kleidern: Requisiten, die auf Schicksale verweisen, und mit denen Christian Boltanski gegen das Vergessen kämpfte. Ein Sujet, das in engem Zusammenhang mit der Lebensgeschichte des Künstlers stand, der am 6. September 1944 in Paris als Sohn eines jüdischen Vaters geboren wurde. Im Alter von 76 Jahren ist Boltanski nun in Paris gestorben.

Boltanskis Erinnerungskunst ist weltweit bekannt. Mitte der 1970er Jahre nahm er an der documenta in Kassel teil. Im Neubau der Berliner Akademie der Künste entwarf er eine ständige Rauminstallation. Einen dauerhaften Platz im Weltkulturerbe Völklinger Hütte bekam er mit einer Installation aus Spinden, aus denen Erinnerungen von einstigen Arbeitern ertönen. Im Jahr 2018 entwarf Boltanski dort zudem einen festen Erinnerungsort für die Menschen, die Zwangsarbeit verrichten mussten.

Herzschläge von Menschen

Anfänglich widmete sich Boltanski der Malerei, bis er Ende der 1960er sein Gedächtniswerk schuf, das auf Emotionen basiert. Ab 2008 verfolgte er das Projekt „Les archives du coeur“: Herzschläge von Menschen aus aller Welt, die er aufzeichnete und archivierte.