Die Wasserressourcen könnten knapp werden

Kultur / 22.06.2021 • 22:00 Uhr
Die Wasserressourcen könnten knapp werden
Jürgen-Thomas Ernst beim Gespräch in der VN-Redaktion. Die Anreise erfolgte ganz selbstverständlich mit dem Rad. VN/STEURER

Schriftsteller und Umweltexperte Jürgen-Thomas Ernst vereint im neuen Buch beide Berufe.

Bregenz Was tun wir, um weiter auf unserem Planeten leben zu können? Diese Frage habe sich jeder zu stellen, sagt Jürgen-Thomas Ernst. Sie sei schlicht und einfach ein Gebot der Stunde. Vom Vorarlberger Schriftsteller (geb. 1966), der als ausgebildeter Förster zwei Tätigkeitsfelder miteinander verbindet, die in dieser Konstellation wohl eher selten auftreten, wurde mit „Das Wasserkomplott“ vor einigen Wochen ein weiteres Buch veröffentlicht, in dem seine beiden Berufe erstmals zum Ausdruck kommen. Zuletzt hatte er mit dem Roman „Schweben“ die berührende Geschichte eines Paares, erzählt, die auch in den oft vernachlässigten Arbeitsalltag in Vorarlbergs Fabriken blicken lässt. Dass seine neuen Hauptfiguren, die Umweltaktivisten Amanda und Fynn, nach dem Erhalt eines äußerst schützenwerten Naturparadieses reichlich naiv in eine schlimme Geschichte schlittern, hatten die VN berichtet. Die Mechanismen der Manipulation, die fatale Folgen haben, müssten an sich sofort erkennbar sein.

„Mitunter aber auch nicht“, meint Ernst, „ich glaube nicht, dass die psychologischen Tricks so leicht durchschaubar sind. Manipulationen passieren tagtäglich, das hat mich interessiert.“ Grundsätzlich sei es bekannt, um Manipulation auszumachen, muss man sich die Mühe machen, die Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten bzw. mehrere Sichtweisen einholen. „Da spielt dann natürlich auch der Faktor Zeit eine Rolle.“

Großes Anliegen

Dass auch in Europa Trinkwasser einmal nicht allen Menschen zur Verfügung steht, hält Jürgen-Thomas Ernst für ein ernsthaft zu diskutierendes Thema. Überlegungen, die Wasserversorgung zu privatisieren, habe es in einigen Staaten bereits gegeben, Teilprivatisierungen gäbe es bereits. Die negativen Folgen seien Entscheidungsträgern, die vor allem den Profit vor Augen haben, nicht grundsätzlich bewusst. Um die Wasserknappheit müsste man sich viel mehr Sorgen machen. „Noch sind Wasserressourcen da, aber wenn die Gletscher weiter schmelzen, kann es durchaus zum Austrocknen von Flüssen kommen.“ Verantwortungsvolles Handeln sei leider immer noch keine Selbstverständlichkeit. Die Diskussion über den hohen CO2-Ausstoß gäbe es seit mehr als dreißig Jahren. Im Vergleich dazu sei viel zu wenig passiert.

Jürgen-Thomas Ernst wiederholt gerne, dass grundsätzlich jeder etwas tun kann. „Da vermisse ich die Überzeugung und die Leidenschaft“. Der Schriftsteller, Förster und Naturschützer, der oft schon hinnehmen musste, dass er als überzeugter Radfahrer belächelt wurde, richtet sich dabei auch an die Jugendlichen, die im Rahmen von „Fridays for Future“ auf die Straße gehen. Es sei bei allem Positiven durchaus anzunehmen, dass die jungen Leute in der Situation, in der sie dann in einen Beruf starten oder im Alter sind, in dem dann der Führerschein gemacht und ein Auto erworben werden kann, nicht mehr im Sinne einer Ressourcenschonung handeln. Jürgen-Thomas Ernst: „Echten Umweltschutz zu betreiben, ist halt nicht bequem.“

Lesung von Jürgen-Thomas Ernst bei einem Rundgang am 26. Juni, 15 Uhr ab Landestheater. Weitere Lesende: Peter Bosch, Erika Kronabitter, Luna Levay, Sisi Klocker.