Baukünstler Rudolf Wäger: Zeigen, was notwendig war und ist

Vorarlberger Architekturinstitut präsentiert Pionier der Vorarlberger Baukunst.
Dornbirn In der Architektur gehe es im Kern um ein besseres Wohnen, und es brauche in erster Linie Arbeiter, die das auch umsetzen, formulierte Rudolf Wäger (1941-2019) seine Denkweise. Einem Pionier der Vorarlberger Baukunst ist im Vorarlberger Architekturinstitut (VAI) nicht nur eine Ausstellung gewidmet, Marina Hämmerle und Martina Pfeifer Steiner haben im Verlag Birkhäuser mit dem VAI und dem Architekturzentrum Wien (AzW) eine umfangreiche Monografie zu Rudolf Wäger herausgebracht, die eine Leistung dokumentiert, die den Begriff Architekturland Vorarlberg widerspiegelt.

Rudolf Wäger habe eine Diskussion entfacht, die damals dringend notwendig war und es heute wieder ist, erklärt Verena Konrad, Leiterin des VAI. Konkret geht es wohl darum, dass Wäger ein inspirierender Vordenker für ein Bauen war und dass er mit seinen Entwürfen und Ideen schon vorwegnahm, was mittlerweile im Sinne der Ressourcenschonung unabdingbar ist. Jene verdichtete Bauweise, die er mit der vielzitierten Siedlung Ruhwiesen in Schlins oder später in Göfis und im Montafon konzipierte, stieß einst auf Gegnerschaft und gilt heute noch als vorbildhaft für die Gestaltung von qualitativ hochwertigen Wohnungen auf beschränktem Raum sowie für die Nutzung von Gemeinschaftsflächen. Wer seine komfortablen, aber kosteneffizienten Wohnanlagen betrachtet oder auch die Einfamilienhäuser auf extrem reduzierter Grundfläche, der kann nachvollziehen, was damals vor sich ging. Vorarlberg galt auch in Wien nicht mehr als das biedere Häuslebauerland. Wo sich derartige Gebäude befinden, müsste auch ein Umdenken stattgefunden haben, da müssten sich auch Menschen mit unkonventionellen Lebensentwürfen wohlfühlen können oder Betätigung finden, lässt sich die Stimmung beschreiben, die auch in der Bundeshauptstadt bemerkt wurde.

“Streitbarer Geist”
Man darf dabei nicht vergessen, dass es im westlichsten Bundesland immer noch keine Universität gibt und dass auch der Besuch eines Gymnasiums für die Jugendlichen in den Talschaften lange Zeit aufgrund der Fahrzeiten in die Städte nicht infrage kam. Als lernwilliger Autodidakt voranzukommen, eine besondere Fähigkeit des gelernten Zimmermanns Wäger, ist nur wenigen gegeben und auch ein Phänomen der damaligen Zeit. Rudolf Wäger war auch ein “streitbarer Geist”, wie es Verena Konrad formuliert.

Die Ausstellung und vor allem auch die Monografie zeichnen somit gesellschaftliche Veränderungen nach. Der Aufbruch in der Kulturszene ging mit dem neuen Bauen einher. Bei der Betrachtung der Exponate steht dennoch nicht der Rückblick im Zentrum. Rudolf Wäger hat auch bildhauerische Arbeiten geschaffen. Sie faszinieren aufgrund der Haptik und ergänzen das nicht ausgeschriebene, aber spürbare Motto, dass auch Architektur zur Entwicklung der ständigen Reflexion bedarf.
Geöffnet im VAI in Dornbirn (Marktstraße 33) bis 4. September. Die Monografie liegt auf.