Informationssammlung mit Lücken

Kultur / 09.06.2021 • 19:05 Uhr
Der Bogen beinhaltet 39 Fragen. Hier ein Auszug aus den Antworten von MC Textor.
Der Bogen beinhaltet 39 Fragen. Hier ein Auszug aus den Antworten von MC Textor.

Veronique Homann bringt mit „Money of Bullshit“ ein Stück Popkultur ins Land.

Bregenz Musik ist schon eine tolle Sache. Sie unterhält, verbindet, schafft Zugehörigkeit. Schon sehr früh war der in Lochau sozialisierten Veronique Homann klar, dass sie ihr Leben in den Dienst dieser Kultur stellen möchte. Jedoch nicht auf der Bühne stehend, dem Klischee des Indie-Rocks entsprechend vermutlich den Bass zupfend, sondern als Beobachterin, als Berichterstatterin. Über Musik lässt sich nun mal wesentlich einfacher schreiben als über Architektur zu tanzen, zudem gibt es einen Markt dafür. „Vor elf Jahren bin ich nach Berlin gezogen, aber eigentlich grundlos, denn schreiben kann man überall“, erzählt die 30-Jährige. Sie verfasste Rezensionen, Kritiken, führte Interviews und arbeitete nebenbei standesgemäß in einem Second-Hand-Plattenladen. Dort fiel ihr der Fragebogen, der 1977 dem Album „Second Annual Report“ der Gruppe Throbbing Gristle beigelegt war, in die Hände. Dieser war damals als Marktforschungsinstrument des Labels gedacht. „Ich erkannte, dass diese 39 Fragen ein perfektes Interview abgeben würden.“ Homann fragte bei vielen internationalen Künstlern an. Nach einigen positiven Rückmeldungen entwickelte sich dann das interdisziplinäre Ausstellungskonzept von „Money of Bullshit“. Namenhafte Partizipanten sind etwa Wolfgang Müller, Helena Hauff und Damo Suzuki. „Nach vier Jahren und elf Einreichungen war Schluss. Die letzte war jene von Bernd Wand, ein fiktiver Charakter der Gruppe Fraktus. Mit dieser Meta-Referenz an die Band Spinal Tap schließt sich der Kreis der popkulturellen Anspielungen“, so Homann. Im Kollektiv hängen die Originale der Fragebögen zur Ansicht (Vernissage: heute, Donnerstag, um 19 Uhr), vor Ort kann auch der im Eigenverlag Plackscheißerei (Grüße gehen raus an Grimmelshausen) erschienene Katalog erstanden werden.

Homann ist mit diesem Projekt gewachsen, es ist gleichsam ihr Abschied vom Musikjournalismus. Im Februar dieses Jahres erschien ihr Lyrikband Sid Wischi Waschi, der auch tief in der Popkultur verwurzelt ist, im Verlag Parasitenpresse.Derzeit arbeitet sie daran, dessen Inhalt auf Kassette zu bannen. Wer zu faul zum Lesen ist oder kein Kassettenabspielgerät mehr besitzt, dem sei die Autorenlesung am 17. Juni im Kollektiv nahegelegt. VN-HF

Homann hat die Seiten gewechselt: Von der Kritikerin zur Kunstschaffenden.
Homann hat die Seiten gewechselt: Von der Kritikerin zur Kunstschaffenden.

Die Ausstellung „Money of Bullshit“ ist noch bis zum 17. Juni im Kollektiv, Maurachgasse 1, Bregenz, zu sehen. kollektiv-raum.org