Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Die Bregenzer Festspiele und das Landestheater

Kultur / 04.06.2021 • 12:00 Uhr

Mit dem Vorarlberger Landestheater unterhielten die Bregenzer Festspiele, in deren Zentrum große Opernproduktionen stehen, seit ihrem Start Verbindungen. Maria Wanda Milliore, Ausstatterin an der erst Monate zuvor gegründeten Landesbühne, hatte das Dekor für jene Kieskähne entworfen, auf denen mit Mozarts „Bastien und Bastienne“ das Spiel auf dem See begann. Das Theaterteam selbst war bei der damaligen Festwoche im Sommer 1946 mit einer Produktion vertreten.

Mit der Auflösung dieser Bühne, die sich die Politik in der damals noch sehr ländlich orientierten Region nicht mehr leisten wollte, war es nach wenigen Jahren vorbei mit der Präsenz eines lokalen Ensembles. Es folgten unter anderem einige Festspielsaisonen mit dem Wiener Burgtheater, bevor man in den 1970er-Jahren auf dem Martinsplatz in der Oberstadt einen geeigneten Ort für sommerliches Theater fand. Dieser Begriff stand bei der Stückauswahl des Theaters für Vorarlberg, dem privatwirtschaftlich geführten Folgeunternehmen der Landesbühne, auch im Vordergrund, wiewohl die Nächte – etwa bei einem Stück von Michael Köhlmeier – nicht immer lau blieben.

Während man nach dem ungemeinem Aufwärtsschwung bei den Opernproduktionen nach einem Sprechtheater-Profil suchte und für den Indoor-Bereich beim Deutschen Theater Berlin eher fündig wurde als beim Wiener Theater in der Josefstadt (das Bregenz damals der Kategorie bürgerliche Unterhaltung zuordnete) wurde der Martinsplatz zum Auslaufmodell.

David Pountney zog als damaliger Intendant vor knapp 15 Jahren den Schlussstrich. Offiziell hieß es, dass in der Oberstadt die Infrastruktur fehlt, inoffiziell war klar, dass auch das Niveau nicht stimmte. Unter der Leitung von Alexander Kubelka hat die wieder zum Landestheater gewordene Vorarlberger Bühne eigene Freiluftaufführungen außerhalb der Festspielsaison realisiert. Die Aufführungen des „Großen Welttheaters“ in Bildstein sind bestens in Erinnerung.

Nun sind sich das Vorarlberger Landestheater und die Bregenzer Festspiele wieder nähergekommen. Terminlich lässt sich die Kooperation optimieren, aber nach der Coronapause stört es wohl nicht, wenn Silvia Costa das Publikum schon am kommenden Wochenende unter dem Titel „Ihr seid bereits eingeschifft“ auf die Reise vom Festspielareal am Seeufer bis an den Kornmarkt schickt, um mittels Literatur, bildender Kunst und Musik das Verhältnis von Mensch und Natur zu ergründen. Im Sommer ist das Projekt erneut im Programm. Dazu kommt mit der Uraufführung von „Lohn der Nacht“ von Bernhard Studlar die erstmalige Zusammenarbeit mit dem Theater Kosmos. Die Präsenz österreichischer bzw. Vorarlberger Bühnen bei den Festspielen ist kein Muss, doch so wie sie sich gestaltet, zeichnet sich eine zukunftsfähige Allianz ab.