Ein „Klassenabend“ in Herz-Jesu

Helmut Binders Studenten konzertieren in der „Langen Nacht“ an der Behmann-Orgel.
BREGENZ Wieder einer, der auf seine Art dem Coronavirus ein Schnippchen schlägt. Helmut Binder, einer der profiliertesten Organisten des Landes und seit 2010 Leiter einer Orgelklasse am Landeskonservatorium, verlegt den wegen der Pandemie entfallenen Klassenabend mit seinen Studenten kurzerhand in die Pfarrkirche Herz-Jesu, wo er seit 37 Jahren als Hauptorganist wirkt. Anlass ist die „Lange Nacht der Kirchen“ an diesem Wochenende, die mit zwei Konzerten um 20 und 22 Uhr bereits diesen Freitag an der prächtig restaurierten historischen Behmann-Orgel begangen wird.
„Es gibt nach wie vor wenige junge Leute, die sich mit der Orgel auseinandersetzen wollen“, berichtet Binder aus seinem unmittelbaren Wirkungsbereich. „Vor allem ist die Zahl der orgelspielenden Musikgymnasiasten stark zurückgegangen.“ Einer davon ist der Schweizer Simon Frei (19) aus Hinterforst, der das erste der beiden Konzerte mit dem Finale aus der Sinfonie Nr. 2 von Charles Widor eröffnen wird. Das Werk ist in diesem Programm eines von mehreren attraktiven Beispielen für den Bereich der symphonischen Orgelmusik, wie sie der klanglichen Ausrichtung dieser Orgel aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts entspricht und dort besonders authentisch zur Wirkung kommt.

Zwei weitere Studenten, Emil Hetz (23) aus Konstanz und Anahita Pasdar (22) aus Bürserberg, haben Orgel als Schwerpunktfach gewählt, das ist das verpflichtend zu belegende Zweitfach neben ihrem Hauptfach Klavier bei Gerhard Vielhaber. Hetz wird Werke von Marco Enrico Bossi und Eugène Gigout spielen, Pasdar zum Abschluss des ersten Teils die berühmte Toccata aus der Sinfonie Nr. 5 f-Moll von Charles Marie Widor. Vor diesem Highlight im Programm wird sich die junge Künstlerin auch mit einem eigenen Orgelwerk präsentieren, „Adagio e Toccata“. Helmut Binder: „Für mich war und ist es äußerst interessant, im Rahmen des Unterrichts eigene Werke meiner Studenten zu besprechen. Das sollte, wie auch die Improvisation, viel mehr gefördert und gepflegt werden.“
Im zweiten Konzert wird sich Samuel Repolusk (20) aus Bregenz präsentieren, der einzige Hauptfachstudent, der ein abgeschlossenes Klavierstudium hat und auch Organist an der Herz-Jesu-Kirche ist. Er spielt ebenfalls eine eigene Komposition, eine Fantasie über das „Salve Regina“, gefolgt von Louis Viernes „Claire de Lune“. „Dass ich am Schluss spiele, ist eigentlich eher Zufall“, sagt Meister Helmut Binder. Dabei erwartet das Publikum ein Beispiel seiner in vielen Herz-Jesu-Konzerten bestaunten Improvisationskunst und die virtuose Toccata aus der Suite Nr. 5 von Maurice Duruflé. Fritz Jurmann
Orgelkonzerte im Rahmen der „Langen Nacht der Kirchen“, Pfarrkirche Herz-Jesu, Bregenz, 28. Mai, 20 Uhr, bzw. 22 Uhr – H. Binder und seine Studenten (Eintritt frei)