Was den Annenaltar zum besonders spannenden Schatz macht

Feldkirch erinnert an die Aufstellung des Kunstwerks von Wolf Huber vor 500 Jahren.
Feldkirch Das würde heutzutage so nicht mehr passieren: Im Jahr 1515 geben Mitglieder der Annenbruderschaft beim aus Feldkirch gebürtigen Künstler Wolf Huber (um 1485-1553) einen Altar in Auftrag. Er gilt als Hauptwerk dieses Zeitgenossen von Albrecht Dürer und wird 1521 im heutigen Dom zu Feldkirch aufgebaut. Was nach einer Renovierung im Jahr 1827 geschah, ist nicht mehr exakt rekonstruierbar. Jedenfalls werden die Flügel des Altars in den 1950er-Jahren in einer Besenkammer im Kloster Riedenburg in Bregenz gefunden, wo man sie dann möglichst geldeinbringend veräußern wollte. Das Land Vorarlberg wird dabei vom Schweizer Werkzeug- und Waffenfabrikanten Emil Bührle überboten. Obwohl die wertvollen Kunstwerke an sich nicht aus Österreich ausgeführt werden dürfen, erwirbt sie dieser. Später kommen sie als Leihgabe ans Kunsthistorische Museum in Wien. Seit 2006 befinden sie sich wieder im Dom zu Feldkirch. Wenn man nun dort auf den Altar blickt, steht immer noch fest, dass die unveränderten Besitzverhältnisse Merkwürdigkeiten aufweisen.

Mit einer Wolf-Huber-Ausstellung, die ab der kommenden Woche öffentlich zugänglich ist, feiert die Stadt Feldkirch das 500-Jahr-Jubiläum der Altaraufstellung, verweist auf die Bedeutung des Künstlers und führt das schon über ein Jahr leerstehende Palais Liechtenstein wieder einer Nutzung zu.

Kurator Hans Gruber führt beim ersten Einblick für Medienvertreter aus gutem Grund an, dass es sich im Palais nicht um eine Kunst-, sondern um eine Wissensausstellung handelt. Von den zahlreichen Arbeiten aus dem überlieferten Schaffen mit 28 Gemälden, mehreren Holzschnitten und 162 Zeichnungen haben es nur eine gute Handvoll Originale nach Feldkirch geschafft, darunter der um 1520 entstandene „Drachenkampf des heiligen Georg“ aus einer Vorarlberger Privatsammlung. Die berühmte „Erlösungsallegorie“ aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien ist wie somit fast alle der Exponate eine Reproduktion. Wer die Faksimile-Wand mit den Werken am Ende des Rundgangs abschreitet, kann sich aber immerhin davon überzeugen, dass Arbeiten von Wolf Huber in den renommiertesten Sammlungen Europas vertreten sind. Die klimatischen Bedingungen im Palais hätten die Hängung von weiteren Originalen ermöglicht, die Kosten dafür dürften allerdings immens sein und neben dem eigentlichen Schatz – der sich im Dom befindet – haben die Feldkircher Ausstellungsmacher den Fokus darauf gerichtet, die Bedeutung Wolf Hubers zu erläutern bzw. den Maler in die Reihe von namhaften Wissenschaftlern und Humanisten wie Rheticus und Münzer einzugliedern, die aus Feldkirch stammen.

Dass Huber, der sich in Passau niederließ, Feldkirch besucht hat, ist belegt. Auch in dieser Ausstellung zeigt man gern auf seine Darstellung der Stadt, gilt das grafische Werk doch auch als wertvolles Zeugnis dafür, dass Huber zu den ersten Malern zählte, die autonome Landschaftsbilder geschaffen haben. Dass er auch das Porträt in für damals fortschrittlicher Manier beherrschte, zeigen Antlitze mit charakterlicher Ausdeutung. Ein Bildnis eines selbstbewussten Mannes, das sich im berühmten Berliner Kupferstichkabinett befindet, soll ein Selbstporträt sein. Wie es in der Zeit der Renaissance üblich war, in der der Mensch endlich als Individuum galt, sind die Bilder signiert. Ein derart genialer Vermarkter seiner selbst wie Albrecht Dürer war Wolf Huber nicht, allerdings hielt man einige seiner Arbeiten dafür geeignet, sie mit den Initialen des berühmten Nürnbergers zu versehen, um den Preis zu steigern. Mittlerweile ist die Urheberschaft erforscht.

Auch diese Geschichte erzählt die Ausstellung, zu der ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, einem Kompositionswettbewerb, mit Dramenaufträgen, speziellen Führungen etc. entworfen wurde. Das Bildprogramm des Altars erzählt von den namensgebenden Eltern Marias und von der Geschichte Jesu bis zur Beweinung, jeweils mit viel Architektur und erwähnter Landschaft im Hintergrund. 500 Jahre nach der Aufstellung im Dom wäre es wünschenswert, dass der Altar nun in ein neues, dem Stand der Technik angepasstes Licht gerückt wird.
Geöffnet im Palais Liechtenstein in Feldkirch vom 21. Mai bis 14. November, Di bis Fr, 9 bis 17 Uhr, Sa und So, 10 bis 16 Uhr.