Hauptteil der Schubertiade ist komplett abgesagt

Kultur / 03.05.2021 • 19:00 Uhr
Hauptteil der Schubertiade ist komplett abgesagt
Im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg finden möglicherweise erst ab August Konzerte der Schubertiade statt. SCHUBERTIADE

Für Geschäftsführer Gerd Nachbauer ist bei den momentanen Auflagen keine Durchführung des Festivals möglich.

Hohenems, Schwarzenberg Nach den zuletzt veröffentlichten Corona-Auflagen der Bundesregierung für die Zeit nach dem 19. Mai kann Gerd Nachbauer, Geschäftsführer der Schubertiade, seine Veranstaltungssäle – das sind der Markus-Sittikus-Saal in Hohenems und der Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg – jeweils nur zur Hälfte füllen. Das Ganze gilt nur unter der Voraussetzung, dass die Pandemie in Österreich günstig verläuft bzw. dass es keine weitere Steigerung der Infektionszahlen gibt. Nach der Absage einer Konzertserie Ende April/Anfang Mai, musste sich Nachbauer nun zu weiteren Absagen entschließen. Betroffen sind alle Konzerte in der ersten Jahreshälfte in Hohenems und Schwarzenberg. Dazu zählt auch der traditionelle Konzertteil in den letzten zwei Juni-Wochen in Schwarzenberg, in dem an zwei bis drei Terminen pro Tag namhafte Künstlerpersönlichkeiten des Liedfachs sowie der klassischen Kammermusik aufgetreten wären. Darunter sind etwa Matthias Goerne, Paul Lewis, Christoph Prégardien, Mauro Peter, Christian Gerhaher, Ian Bostridge, Brenda Rae, Elisabeth Leonskaja, das Hagen Quartett und weitere Größen des Fachs. Der international erfolgreicher Pianist Aaron Pilsan wäre in Hohenems aufgetreten.

Für Nachbauer ist nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Durchführung bei einer 50-Prozent-Auslastung nicht gegeben, auch die unsichere Lage bezüglich Reisebeschränkung oder Quarantäneverordnungen und geltende Ausgangsbeschränkungen seiner Besucher aus Deutschland behindern die Veranstaltungen. Die Konzerte seien zum heutigen Zeitpunkt bereits mehr als zur Hälfte ausgebucht, für manche Termine gebe es bereits Wartelisten. Nachbauer und seine Mitarbeiter müssten somit festlegen, welcher Besucher seinen bereits gebuchten Platz in Anspruch nehmen kann und welcher nicht.

Verlust für die Region

Nachdem bereits im letzten Jahr mehr oder weniger die gesamte Schubertiade bis auf ein paar einzelne Konzerte abgesagt werden musste, trifft der neuerlich notwendig gewordene Schritt das seit Mitte der 1970er-Jahre existierende Unternehmen hart. Die Schubertiade bedingt pro Jahr rund 16.000 Nächtigungen in Vorarlberg, bevorzugt in der Region Bregenzerwald. Die Hälfte davon fällt damit auch in diesem Jahr aus.

Kritik an Politik

Gerd Nachbauer hofft nun auf eine günstige Entwicklung der Pandemie, sodass er die ab August programmierten Konzerte und Liederabende durchführen kann. Im Gespräch mit den VN macht er aber auch deutlich, dass ihn die Informationspolitik der Regierung zunehmend ratlos mache. Während man im letzten Jahr noch vor einer völlig neuen Situation stand, müsste man angesichts rascher Kanäle die Betroffenen zumindest heuer wesentlich konkreter informieren können. Unbegreiflich ist es für ihn, dass die Regierung bei ihren Verordnungen nicht differenziert. Die Ankündigung, dass bis zu 1500 Besucher indoor zugelassen sind, klinge zwar für Außenstehende recht gut, Kulturveranstaltern nütze sie angesichts der Tatsache, dass nur jeder zweite Platz besetzt werden kann, nichts. Nur Eventorte und Sporthallen hätten ein Fassungsvermögen von über 3000 Plätzen.

Sein Personal wird Gerd Nachbauer halten können, er selbst wäre mittlerweile im Pensionsalter, betreibt eines der weltweit renommiertesten Kammermusikfestivals, hat in Hohenems einen Veranstaltungssaal saniert und unterhält zudem in der Stadt mehrere Museen in historischen Gebäuden.