“Ich wünsche mir Entfaltung”

Kultur / 11.04.2021 • 19:31 Uhr
Gerhard Skok liefert Denkanstöße.

Gerhard Skok liefert Denkanstöße.

Galerie Vor Ort bleibt hervorragendes Beispiel für Partizipation und Niederschwelligkeit.

Altach “Ich wünsche mir Entfaltung” steht auf einem der Papierfalter, die die Vorarlberger Künstlerin Martina Feichtinger (geb. 1988) in Umlauf brachte. Mit ihrer Installation in der Galerie Vor Ort in Altach erinnerte sie an den Monarchfalter, eine Schmetterlingsart, die als ausdauernder Wanderer gilt. Die Überwindung von Grenzen war im eigentlichen wie im übertragenen Sinn das Thema. Um die Idee eines Kunstraumes, der für alle kontaktlos zugänglich ist, zu betonen, konnten Passanten Papierschmetterlinge beschriften. Zeiten heraufzubeschwören, in denen das Wünschen noch geholfen hat, muss keinen esoterischen Beigeschmack haben, die Ergebnisse sind berührend, poetisch und sie verdeutlichen auch konkret, dass die Bedrückung, die die Menschen in der Pandemie empfinden, durch Kunst bzw. durch die Fantasie anregende Momente gemildert werden kann. 

Respektvolles Miteinander

Genügend Zeit für die Mitmenschen, gute Freunde, Gesundheit, das Verschwinden des Virus, Freude, mehr Achtsamkeit, Verantwortung für die Welt oder ein respektvolles Miteinander wünschen sich jene, die mitgemacht haben. Im eingangs erwähnten Begriff Entfaltung subsumieren sich die Themen bei Einbeziehung des Kunstortes.

Die vor wenigen Tagen gestartete Intervention sieht die Begegnung mit einem Vorarlberger Künstler vor, der sich mehrere Jahre rar gemacht hat. Gerhard Skok (geb. 1962) hatte einst mit Roland Adlassnig das Team Skad gebildet, dessen Auftritte – etwa eine Zettelverteilaktion – politisch konnotiert waren. Die “Corona-Pop-Show” in der Galerie Vor Ort ist nun weniger angriffig, jener skurrile Humor, der beispielsweise bei einer apokalyptischen Installation im Künstlerhaus in Bregenz zum Ausdruck kam, wohnt auch den Alltagsgegenständen inne, die hier zu Artefakten mutiert sind. Dass die Menschen im ersten Corona-Lockdown ausgerechnet Klopapier horteten, haben wir zwar schon oft vernommen, in Verbindung mit Püppchen, eigenartigen Fabelfischen, Jagdtrophäen und Masken, die auch so getragen werden, dass sie die Menschen komplett anonymisieren, wird die Fantasie der Passanten weit über die Zeit der Betrachtung und des Spaziergangs im Galerie-Gelände hinaus aktiviert.

Vielleicht hilft das Wünschen noch.

Vielleicht hilft das Wünschen noch.

Martina Feichtinger hat das Publikum mit der Arbeit in der Galerie Vor Ort berührt. adlassnig
Martina Feichtinger hat das Publikum mit der Arbeit in der Galerie Vor Ort berührt. adlassnig

Die Arbeiten von Gerhard Skok sind bis 2. Juli in der Galerie Vor Ort in Altach,  Mühlbachstraße 5, zu sehen. Danach werden Ulli Knall und Claudia Mang den Ort bespielen.