Bestandsaufnahme eines Gedächtnisortes

Kultur / 19.03.2021 • 20:19 Uhr
Jourhaus des KZ Gusen-Mauthausen (Zustand 1945-1993). Bäcker, mumok
Jourhaus des KZ Gusen-Mauthausen (Zustand 1945-1993). Bäcker, mumok

Fotografischer Nachlass von Heimrad Bäcker ist ausgestellt.

München, Wien Ab den 1960er-Jahren – lange bevor die Erinnerung an NS-Verbrechen in Österreich eine kollektive Prägung erfuhr – entstanden Heimrad Bäckers Fotografien auf dem Areal der Konzentrationslager Mauthausen und Gusen. Es handelt sich dabei um eine umfangreiche fotografische Dokumentation des zunächst verlassenen, später anders genutzten Areals: die Bestandsaufnahme eines Ortes in Tausenden Fotografien. Bäcker verstand Mauthausen und Gusen als Gedächtnisorte im Sinne des französischen Historikers Pierre Nora. Dieser hatte den Begriff „lieux de mémoire“ geprägt, um damit Orte zu bezeichnen, an denen sich das kollektive Gedächtnis kristallisiert. Seit 2015 befindet sich der fotografische Nachlass von Heimrad Bäcker (1925-2003) als Schenkung seines Stiefsohns Michael Merighi im Wiener mumok. Es handelt sich dabei um ein Konvolut, das mit über 14.000 Einzelobjekten Zeugnis von einer Auseinandersetzung mit dem Ort und der ihm impliziten nationalsozialistischen Massenvernichtung ablegt.

2019 eröffnete das mumok die von Marie-Therese Hochwartner, Nora Linser und Susanne Neuburger kuratierte und in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen entstandene Ausstellung. „Heimrad Bäcker. es kann sein, dass man uns nicht töten wird und uns erlauben wird zu leben“ basiert auf einer Auswahl von etwa 140 Fotografien, Notizen, Textarbeiten und Fundstücken aus dem Nachlass, ergänzt um die Sound-Arbeit „Ein mörderischer Lärm“ von Tatiana Lecomte und Rainer Iglars Fotostrecke „Mauthausen 1974“. Die Ausstellung hätte bereits Ende 2020 in München eröffnet werden sollen. Aufgrund der Corona-bedingten Schließungen der Museen kam es zu einer Verzögerung. Sie ist nun bis 6. Juni im NS-Dokumentationszentrum in München zu sehen.