Spaß mit Männern in Singlewohnungen

Alexandra Stahl tritt mit scharfer Beobachtungsgabe auf.
Roman Es ist ganz schön anstrengend, eine „Young Fun Person“ im angesagten Berlin zu sein. Hipsters mit Tastenhandys, Expat-Bars und Existenzkrisen, Sex und Creative-Writing-Kurse, und das alles rotierend im englisch-deutschen Kauderwelsch. „Männer ohne Möbel“ heißt der erste Roman von Alexandra Stahl. Die in Berlin lebende Bayerin bastelt darin eifrig am Porträt eines Lebensgefühls im jungen großstädtischen Melting Pot. Sie transkribiert die Akzente, wie sie daherkommen. Francois spricht Englisch mit vielen Umlauten, Alvaro Deutsch mit viel „sch“ und Ellies extravagante Freundin Ria beendet jeden zweiten ihrer englischen Sätze mit einem kokett fragenden „no?“.
Mit Lakonie und Lässigkeit
„Mein Happy End bin ich“ nennt sich der Schreibkurs, in dem die Protagonistin lernt, ihr Leben wie einen Roman zu betrachten. Also wechseln wir ab und zu in die auktoriale Erzählperspektive und ins Kursiv, in eine täuschend ähnliche Parallelwelt, die aber mehr Wert auf Kohärenz legt, auf ein braves, zielgerichtetes Narrativ, im Gegensatz zu der Collagierung des eigentlichen Romans. „Männer ohne Möbel“ gibt als Romanerstling einer bisher als Journalistin tätigen Autorin zahlreiche Kostproben von sprachlichem Geschick, scharfer Beobachtungsgabe und genauer Kenntnis des schreiberischen Werkzeugkoffers. Die Geschichte vom Irrlichtern einer melancholischen jungen Frau durch eine Stadt, in der es vor Männern in Single-wohnungen wimmelt, wird gekonnt mit Lakonie und Lässigkeit gestylt.
“Männer ohne Möbel”, Alexandra Stahl, Jung und Jung, 240 Seiten.