Wo der Speck von der Decke hängt

Kultur / 27.02.2021 • 09:00 Uhr
Wo der Speck von der Decke hängt
Die neue Werkraum-Ausstellung ist informativ und erlebnisreich. VN/PAULITSCH

Belinda Rukschcio startet als Leiterin des Werkraums Bregenzerwald mit einer neuen Ausstellung und weiteren Vernetzungsabsichten.

Andelsbuch Mit dem Werkraum Bregenzerwald kam Belinda Rukschcio (47) schon als Architekturstudentin in Kontakt. Zum Handwerk hat sie sowieso eine Nahbeziehung, zuvor hatte sich die Wienerin nämlich zur Kleidermacherin ausgebildet. Überhaupt, betont sie im Gespräch mit den VN, sei es in Vorarlberg besonders gut ersichtlich, wie sich das Handwerk in der Baukultur etabliert hat. Seit einiger Zeit ist sie von Berlin nach Schwarzenberg übersiedelt. Im Auswahlverfahren zur Besetzung der Geschäftsführung des Werkraums Bregenzerwald konnte sie mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und einem Pool an Ideen punkten.

Der Umgang mit den Ressourcen, die Frage, wie wir Qualität und Langlebigkeit definieren und in den Alltag integrieren, werde immer wichtiger. Geänderte Lebensentwürfe und eine Arbeitswelt, die von den Menschen mehr Flexibilität, das heißt, einen Wohnortwechsel verlangt, werden zwar zu einer Herausforderung, ein hoher Qualitätsanspruch beim Bauen oder Einrichten einer Wohnung sei damit aber durchaus kompatibel.

Internationale Vernetzung

Dem Werkraum gehören aktuell bereits rund 100 Betriebe an, den Mitgliederradius zu erweitern, ist Teil der Überlegungen. Noch stärker im Fokus steht aber die internationale Vernetzung. Sie sei zwar sehr gut, Luft nach oben gäbe es in diesem Punkt aber immer, betont Rukschcio und erwähnt dabei die Initiative “Neues europäisches Bauhaus”, die Ideen zur Gestaltung von Arbeits- und Freizeiträumen im Hinblick auf Nachhaltigkeit bündelt. Die Höhe des Budgets, das dem Werkraum zur Verfügung steht, kommentiert Rukschcio pragmatisch: “Ich kann mich damit bewegen und ich bin sehr kreativ.”

Geschäftsführerin Belinda Rukschcio: „Ich war immer begeistert davon, wie sich das Handwerk in Vorarlberg in der Baukultur etabliert.“
Geschäftsführerin Belinda Rukschcio: „Ich war immer begeistert davon, wie sich das Handwerk in Vorarlberg in der Baukultur etabliert.“

Als Geschäftsführerin wird Belinda Rukschcio auch Ausstellungen verantworten. Die erste wird an diesem Wochenende eröffnet und ist bis Ende Oktober zu sehen. Unter dem Titel “Vom Schaufenster zum Wissensfenster” werden unter anderem Ergebnisse jener Dialogwerkstätten dokumentiert, die der Werkraum über die Jahre ausgetragen hat und in deren Rahmen Experten aus den Bereichen Handwerk, Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst auftraten. Eine der fünf formulierten Botschaften zum Wissen im Handwerk erklärt beispielsweise, warum das Wissen von einer Materie auch eine gesellschaftliche Relevanz hat. Die aufgezeigten Lösungsschritte mögen einfach nachvollziehbar sein. Wer feststellt, dass derlei Mechanismen zur verantwortungsvollen Nutzung anregen, setzt auf diese Nachvollziehbarkeit. Dass das gute Dutzend an ausgestellten Projekten auf der Zusammenarbeit von Vertretern unterschiedlicher Gewerke basiert, macht die Schau zum Erlebns, erst recht, wenn Kork und Holz oder das Kochen, Räuchern und Tischlern zusammenkommen.

Die Ausstellung “Vom Schaufenster zum Wissensfenster” ist im Werkraum-Haus in Andelsbuch bis 30. Oktober, Di bis Sa, 10 bis 18 Uhr, geöffnet.

Vor dem Werkraum-Haus in Andelsbuch ist neuerdings eine Speisekammer mit Lebensmitteln, die in direkter Umgebung erzeugt wurden, gefüllt. Sie sind erwerbbar.
Vor dem Werkraum-Haus in Andelsbuch ist neuerdings eine Speisekammer mit Lebensmitteln, die in direkter Umgebung erzeugt wurden, gefüllt. Sie sind erwerbbar.