Franzobels Klage gegen die menschliche Gier

Roman Franzobel liebt historische Abenteuerromane. Daher kommt vier Jahre nach seinem Bestseller „Das Floß der Medusa“, in dem er die Tragödie einer 1816 gesunkenen Fregatte beschrieb, nun ein Roman über die 1538-43 durchgeführte Florida-Expedition des Hernando de Soto. Er hatte Pizarro nach Peru begleitet und konnte nicht genug kriegen. Das Unternehmen wurde ein Desaster. Franzobel hält sich an genau recherchierte historische Begebenheiten, die er einerseits in den breitesten Farben und üppigsten Details auszumalen versteht, zu denen er andererseits immer wieder auf ironische Distanz geht. Das ganze Buch ist eine Klage gegen die menschliche Gier und gegen die Hybris der Überlegenheit der Weißen.
Dass es nicht um Christianisierung, sondern um Bereicherung geht, ist allen klar. Aber zwischendurch zeigt der Autor, mit viel Schalk im Nacken, wie der Keim für manche spätere Kulturleistung gelegt wird. Es ist ein postmodernes Rezept, nach dem Franzobel vorgeht. Doch es schmeckt und macht satt.
“Die Eroberung Amerikas”, Franzobel, Verlag Zsolnay, 544 Seiten.