Eveline fährt nicht ab, regt aber zum Nachdenken an

Die Joyce-Passage in Feldkirch ist herausfordernd.
Christian Futscher gestaltet Joyce-Passage mit literarischer Intervention.
Feldkirch Der weltberühmte Literat James Joyce (1882-1941) im Comic-Style? Christian Futscher (geb. 1960), Autor aus Feldkirch, macht das ohne Umschweife möglich. Für das gemeinsame Projekt #feldkirchenjoyce der Stadt Feldkirch, der Unternehmen Literatur Vorarlberg und literatur:vorarlberg netzwerk hat er eine literarische Installation zu Joyces Kurzgeschichte „Eveline“ entworfen, die mit Elementen des Comic arbeitet und ab diesem Wochenende in der James-Joyce-Passage der Stadt zu sehen ist.
In seinem Kurzgeschichten-Zyklus „Dubliners“ schafft James Joyce mit Eveline eine Figur, die ihrem entbehrungsreichen Leben in Dublin entsagen und mit Frank, der sie heiraten will, mit dem Schiff nach Buenos Aires auswandern kann. Im Moment vor der Abreise lässt Eveline ihre Kindheit, die vertraute Umgebung ebenso wie die fatalen Bindungen an ihren gewalttätigen Vater, ihrer vom Wahnsinn befallene Mutter Revue passieren und bleibt zurück.
Bilderloser Comic
Bilder für diese Lähmung im Aufbruch zu kreieren, war Ausgangsbasis für den Autor Christian Futscher, der neben wortwitziger wie berührender Lyrik auch Kinderbücher und vor Kurzem seinen Roman „Mein Vater, der Vogel“ veröffentlicht hat. „In allen Erzählungen der ‚Dubliners‘ wird oft etwas ausgespart, bleiben Leerstellen, bleibt vieles im Dunkeln, steht kein Wort zu viel. Deshalb kam ich auf die Form des bilderlosen Comics, bei dem ebenfalls vieles offen bleibt“, fasst Futscher seine Herangehensweise zusammen. Betrachter und Betrachterinnen sind also eingeladen, die Lücken mit Eigenem zu füllen. „Vielleicht“, so der Autor weiter, „werden einige die Aufforderung ,Komm!‘ auf dem Weg zum Bahnhof wörtlich nehmen, und angesichts des Textes ,Nein! Nein! Nein! Es war unmöglich‘ vielleicht ins Grübeln kommen, eventuell auch was ihre Fahrziele anbelangt. Eveline fährt nicht ab, sie bleibt in Dublin zurück. Das Meer wird fortan zwischen ihr und Frank wogen.“
Das Projekt #feldkirchenjoyce macht die Joyce-Passage, die als Unterführung den Feldkircher Bahnhof mit der Altstadt verbindet und sich zu einem beliebten Durchgang entwickelt hat, zur Erzählfläche. Ab Mitte April wird die Vorarlberger Autorin Sarah Rinderer dort arbeiten.
