Intensiv, farbig und ­abwechslungsreich

Kultur / 18.12.2020 • 18:54 Uhr
Über 1300 Musikfreunde verfolgten den Live-Stream des Concerto Stella Matutina. Orchester
Über 1300 Musikfreunde verfolgten den Live-Stream des Concerto Stella Matutina. Orchester

Das Ensemble CSM hat dem Publikum ein Weihnachtsgeschenk gemacht.

Götzis Statt des entfallenen Abokonzertes mit Bibers „Missa bruxellensis“ wurde nun eine Aufführung der 1. und 3. Kantate des Bach´schen Weihnachtsoratoriums als Livestream ins Netz gestellt. Das Concerto Stella Matutina hat schon 2012 die Kantaten 1, 4, 5 und 6 aufgeführt, und es wäre schön, wenn sich daraus eine jährliche Weihnachtsoratoriumstradition entwickeln würde.

Den stil- und stimmungsvollen Rahmen für diese Aufführung bildete die alte Kirche in Götzis, allerdings ohne Publikum. Als Solistenquartett war ein erstklassiges, international renommiertes Ensemble aufgeboten, das auch die Chorpartien übernahm. Andrew Parrott hat in seinem Buch „Bachs Chor“ die These vertreten, dass Bach seine Kirchenmusik nur mit einem Vokalquartett aufgeführt habe – vielleicht war dieser Abend ganz nahe am Original. Obwohl auch die Streicher nur einfach besetzt waren, wurde schon im festlichen Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ deutlich, dass die Orchesterbalance ausgewogen war und dass ein Chor mit solchen Stimmen wunderschön klingt: dem Tenor von Daniel Johannsen, einem der derzeit gefragtesten Bach-Sänger, dem kernigen Bassbariton von Matthias Helm, dem Alt von Marian Dijkhuizen (die kürzlich in Hohenems in „Israel in Egypt“ zu hören war) und dem alles mit einem goldenen Schimmer überstrahlenden Sopran von Miriam Feuersinger.

Verinnerlicht

Johannsen, der in diesen beiden Kantaten keine Arie zu singen hat, gestaltete den Evangelisten ausdrucksvoll und differenziert. Marian Dijkhuizen überzeugte in „Bereite dich, Zion“ mit ihrem prachtvollen, wie ein Granat leuchtenden Alt im Dialog mit der vom Konzertmeister David Drabek wunderschön gespielten Violine und der Oboe von Ingo Müller ebenso wie in der verinnerlichten Arie in der 3. Kantate „Schließe, mein Herze“, wieder mit kongenialer Violinbegleitung. Festlich-strahlende Stimmung verbreitete Matthias Helm in der Arie „Großer Herr und mächt’ger König“, mit dem virtuosen Jodok Lingg an der Barocktrompete. Im Duett mit Miriam Feuersinger in „Herr, dein Mitleid“ mischten sich die beiden Stimmen aufs Erfreulichste. Im Kontrast zu den festlichen Eingangs- und Schlusschören wurden die Choräle schlicht und verinnerlicht gesungen. Es war eine intime, außergewöhnlich schöne, intensive, farbig und abwechslungsreich gestaltete Aufführung, die den religiösen Gehalt überzeugend vermittelte. Und die wieder bewusst machte, wie bewegend ein Live-Konzerterlebnis ist. Corona heißt Krone, drum: Drei Coronas für dieses Konzert.

Das Konzert bleibt über die Weihnachtsfeiertage bis Dreikönig kostenlos verfügbar, Spenden erbeten: www.stellamatutina.at