„Kunst ist für eine Gesellschaft existenziell“

Kultur / 12.11.2020 • 19:09 Uhr
Ines Strohmaier hofft, dass sich die Lage bald wieder beruhigt und die Kunst und Kulturszene es schafft sich wieder zu erholen. Fabian Fischer
Ines Strohmaier hofft, dass sich die Lage bald wieder beruhigt und die Kunst und Kulturszene es schafft sich wieder zu erholen. Fabian Fischer

Ines Strohmaier über die Folgen des Lockdowns auf die Slam-Szene.

Riezlern Der zweite Lockdown und das damit verbundene Veranstaltungsverbot geht auch an der heimischen Poetry-Slam-Szene nicht spurlos vorbei. Denn gerade für diese Eventformate ist die Interaktion mit dem Publikum essentiell. Slam-Poetin Ines Strohmaier (19) aus Riezlern, die unter anderem auch als Moderatorin, Autorin und Kolumnistin tätig ist, beschreibt die letzten Monate aus künstlerischer Sicht als Achterbahnfahrt. „Für viele Kulturschaffende bedeuten die Maßnahmen Auftrittsausfälle, Existenzängste und Ungewissheit.“ Deswegen ist für die Sprachkünstlerin gerade jetzt der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung auch im Bereich Kunst und Kultur erforderlich, um die lokale Szene zu schützen: „Kunst ist für eine Gesellschaft existenziell, da sie Raum bietet zu hinterfragen. Kunst ist Ausdruck und bedient alle Menschen mit allen erdenklichen Themen. Wie kann etwas, dass so essentiell zu unserem Leben beiträgt System unrelevant sein?.“

„Slam lebt vom Publikum“

Der zweite Lockdown ist, so Strohmaier, vor allem für jene ein Schlag ins Gesicht, die sich intensiv mit Schutzkonzepten für Veranstaltungen und der Förderung der Kunstlandschaft auseinandergesetzt haben. Für viele Veranstalter mussten also kreative Lösungen her und man sah sich dazu gezwungen, die Bühne gegen den virtuellen Raum auszutauschen. Strohmaier nahm selbst an Online-Lesungen und virtuellen Slams teil. Diese sind für sie jedoch nicht mit Live-Events vergleichbar. „Natürlich gibt es innovative Möglichkeiten, aber weder zwischenmenschlich, noch aus finanzieller Sicht können diese Alternativen Live-Veranstaltungen ersetzen.“ Dasselbe gilt für sie auch für Poetry-Slam-Events: „Viele Veranstalter organisierten Online-Formate auf verschiedensten Plattformen. Die virtuelle Welt kann die Realität aber ersetzen. Slam lebt von der Interaktion mit dem Publikum.“ Sorgen macht sich die 19-Jährige auch um den künstlerischen Nachwuchs. „Der Lockdown zerstört Strukturen, für die es Jahrzehnte gebraucht hat, sie aufzubauen. Man hinterfragt doppelt, ob man künstlerisch aktiv oder gar finanziell abhängig sein will.“

Insgesamt 70 Auftritte, darunter die Präsentation ihres neuen Lyrikbands „Herzblessuren“, fielen bei Ines Strohmaier bereits ins Wasser. „Trotzdem wollte ich mein Buch im Oktober erscheinen lassen, da das genau das Zeichen ist, das ich nach Außen senden möchte: Die Kunst und Kulturszene ist da und sie ist abhängig davon, gesehen zu werden.“ VN-TAS