Mehr als ein typischer Bauerngarten

Kultur / 06.11.2020 • 18:37 Uhr
Egon Schiele: „Blühende Malven vor Hauswand aus Bregenz“, Ölgemälde auf Karton, 1907. privatsammlung wien, Foto: Sagmeister
Egon Schiele: „Blühende Malven vor Hauswand aus Bregenz“, Ölgemälde auf Karton, 1907. privatsammlung wien, Foto: Sagmeister

VN-Bildbetrachtung: Ein frühes Werk von Schiele führt direkt nach Bregenz.

Bregenz Dass Egon Schiele (1890-1918) im Jahr 1912 länger in Bregenz weilte, steht fest. Der Aufenthalt ist durch einige Arbeiten belegt und bedeutete für den jungen Künstler auch eine Flucht aus Neulengbach. Dort wurde ihm die Entführung eines Mädchens vorgeworfen. Die Anschuldigung erwies sich als haltlos, man verurteilte ihn aber wegen Verbreitung unsittlicher Zeichnungen zu einigen Tagen Haft. In Bregenz suchte er Erholung, zeichnete und malte und fand seine Motive entweder in der Oberstadt oder am Seeufer.

Im Leopold Museum

Das Leopold Museum hat in seiner umfangreichen Schiele-Sammlung ein kleines Werk, das ein weniger bekanntes Motiv aus Bregenz zeigt. Der Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister macht im Gespräch mit den VN nicht nur auf das Bild „Blühende Malven vor Hauswand aus Bregenz“ aus dem Jahr 1907 aufmerksam, sondern vermerkt auch, dass es Rudolf Leopold schon vor Jahrzehnten erworben hatte, nachdem man in der Stadt Bregenz vielleicht zu wenig Interesse an einem damals, wie er meint, „sicher noch möglichen Ankauf“, zeigte. Wie auch immer, mittlerweile ergibt sich zwischen Wien und Vorarlberg zumindest daraus eine Verbindung, dass das Leopold Museum in seiner Sammlungspräsentation den Selbstporträts bekannter österreichischer Künstler wie Schiele, Gerstl oder Kokoschka eine Reihe von Porträts des Dornbirners Edmund Kalb (1900-1952) angegliedert hat.

„Hervorragend gemalt“

Es wäre möglich, dass sich Schiele für das kleine Gemälde eines blühenden Gartens vor einer Hausfassade von einer Fotografie inspirieren ließ, meint Sagmeister, abgesehen davon, dass das Haus geografisch nicht mehr zuzuordnen ist und nur der Titel auf Bregenz schließen lässt, handle es sich um ein „hervorragend gemaltes“ Bild eines gerade erst Siebzehnjährigen, der das Motiv sehr gut mit wenigen Pinselstrichen bewältigt habe. Mit dem dramatischen Lichteinfall werde daraus mehr als ein typischer Bauerngarten.

Schiele starb im Alter von nur 28 Jahren an der Spanischen Grippe. Nur wenige Tage zuvor verlor er seine Frau Edith, die im sechsten Monat schwanger war. VN-cd