“Künstler wollen arbeiten”

Interessensvertreter der Kulturschaffenden betonen gerade angesichts eines Lockdowns die Wichtigkeit von Investitionen.
Feldkirch Mehr als möglicherweise ein Museumsbesuch wird für Menschen, die kulturelle Auseinandersetzung suchen, in nächster Zeit nicht drin sein. Was sich andeutete, steht vor der Ankündigung: Während auch Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, noch das betont, was bereits Werner Döring, Geschäftsführer der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft, im Gespräch mit den VN ausführte, nämlich, dass bislang nicht bekannt ist, dass sich im Land ein Konzert- oder Theaterbesucher mit dem Coronavirus infiziert hätte, hat man sich da wie dort mit einem weiteren Lockdown zu beschäftigen. “Wir haben schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, jetzt zu investieren, es gilt nun defintiv danach zu trachten, dass die Initiativen wie auch die Kunst- und Kulturschaffenden überlebensfähig sind, dass sie weiterarbeiten können.”
Steinbock, die rund 50 Initiativen und Einrichtungen vertritt, möchte aufgrund der Erfahrungen in den letzten Monaten darauf hinweisen, dass das Bild von Künstlern korrekt darzustellen sei. Im Zuge der notwendigen Forderungen nach Unterstützungsmaßnahmen sei vielleicht nicht immer klar gewesen, dass es um eines geht: “Künstler wollen arbeiten.” Dass Perspektiven da sein müssen, dürfe man bei der Einrichtung von Überbrückungsfonds nicht außer Acht lassen. Nach einer sehr schwierigen Situation vor und während der kompletten Veranstaltungsverbote im Frühjahr seien nun Bedingungen nachgebessert worden. So könnten beispielsweise mittlerweile mehr Künstler von Arbeitsstipendien profitieren.
Um NPO-Zuschüsse ansuchen
Die IG biete Hilfestellung, wo es nur geht, und der regelmäßige Austausch mit der Kulturabteilung im Amt der Vorarlberger Landesregierung trage Früchte. Kulturamtsleiter Winfried Nussbaummüller führt auf Anfrage der VN an, dass man über 500.000 Euro für Arbeitsstipendien und Atelierförderungen zur Verfügung gestellt hat. “Wir möchten die Künstler in ihren Arbeitsprozessen halten”, lautet die Grundüberlegung. Er betont aber auch die Wichtigkeit, beim Bund um Unterstützung aus dem NPO-Fonds anzusuchen. 28 Millionen Euro sollten nach Vorarlberg fließen. Auch wenn es sich um die Summe für alle gemeinnützigen Vereine handelt, müsse damit klar sein, dass auch die Kulturschaffenden davon profitieren können.
Damit ist man bei einem Kern des Problems. Kultureinrichtungen in Vorarlberg werden im hohen Maß von Vereinen gestützt, in denen viele Tätigkeiten auch ehrenamtlich verrichtet werden. Wo das Ehrenamt aufgrund des Ausmaßes der Aufgaben zum Beruf wird, wo prekäre Arbeitsverhältnisse an der Tagesordnung sind oder wo man vom viel zitierten Fair Pay weit entfernt ist, wollte die IG Kultur und zum Teil auch die Kulturpolitik schon seit einiger Zeit eingreifen. Corona hat die Verhältnisse noch verschärft. Das alles gelte es nun zu berücksichtigen und aufzuarbeiten, während sich Kulturschaffende nicht nur Sorgen um den Bestand von Initiativen machen, sondern auch um die sinnvolle Verzahnung mit den Bildungseinrichtungen. Kunst und Kultur als Teil des Lebens zu definieren, dürfe nicht aufhören, auch wenn aufgrund von Corona die Abkapselung ein zentraler Begriff wird.