Der Heimatbegriff als Nadel im Heuhaufen

Kultur / 30.10.2020 • 19:08 Uhr
Weithas begibt sich am Samstagnachmittag in seiner Solo-Performance „Heumat“ mit gepresstem Heu auf dem Rücken durch das Bregenzer Stadtgebiet.J. Weithas
Weithas begibt sich am Samstagnachmittag in seiner Solo-Performance „Heumat“ mit gepresstem Heu auf dem Rücken durch das Bregenzer Stadtgebiet.J. Weithas

Das Sezieren der nostalgischen Idee von Heimat als eine Operation am offenen Herzen.

Bregenz Die schlechte Nachricht zuerst. Die „Demonstration für traurig in Europa“, welche am heutigen Samstag mit einem fulminanten Konzert vor dem Bregenzer Between geendet hätte, ist abgesagt. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Künstler Lukas Weithas, der derzeit das Bregenzer Kollektiv mit seinem raumübergreifenden Konzept „Nationality is lost, Homeland is lethal, where to land“ bespielt, macht aus dieser Not eine Tugend und bringt seine bereits 2019 in Wien erprobte Performance „Heumat“ im Laufe des Nachmittags ins Festspielstadtgebiet.

Das konzeptionelle Steckenpferd von Weithas ist dabei eine Fundamentalkritik an einer Retrotopie, einer nationalistischen und nostalgischen Idee von Heimat, der er mit Heu als adabsurdum geführten Symbolisierung ihrer Last entgegentritt. Der Künstler hat schon einige Alpsommer hinter sich gebracht. Als Kontrast zum Großstadtdschungel gibt es wohl keinen geeigneteren Ort als die Abgeschiedenheit. Teile dieses Spannungsfelds sind in Form der aktuellen Rauminstallation im Kollektiv zu erleben. VN-HF

Zur Person

Lukas Weithas hat Soziologie sowie Soziale Arbeit studiert und 2019 sein Masterstudium an der Universität für angewandte Kunst in Wien abgeschlossen. Im Sommer lebt und arbeitet er auf einer Alp im St. Galler Oberland, die Restmonate in Bregenz.

„Nationality is lost, Homeland is lethal, where to land“ ist noch bis 27. November im Kollektiv, Maurachgasse 1 in Bregenz zu sehen. Mehr unter www.kollektiv-raum.org