Vorarlberger Choristen droht das Verstummen

Kultur / 28.10.2020 • 05:45 Uhr
Vorarlberger Choristen droht das Verstummen
Auch die für Weihnachten geplanten Auftritte des Landesjugendchores Voices sind gefährdet. STIPLOVSEK

Neue Auflagen treffen 3500 Sängerinnen und Sänger in Vorarlberg hart.

Feldkirch Proben mit sechs Personen bei entsprechenden Abständen sind möglich, sind mehr Sängerinnen und Sänger erforderlich, was im Chorwesen der Normalfall ist, so müssen sich diese auf zugeordneten Sitzplätzen einfinden. Mehr geht aus den nun vorliegenden, verschärften Verordnungen nicht hervor, die Axel Girardelli, Obmann des Chorverbandes Vorarlberg, zudem für widersprüchlich erachtet: „Diesen Widersprüchen sind wir nun ausgesetzt und müssen Lösungen finden.“

Jedenfalls werden sich die Vorstandsmitglieder am Mittwochvormittag treffen, um zu beraten, was man den Mitgliederchören empfiehlt bzw. ob man sich den Empfehlungen des Vorarlberger Blasmusikverbandes anschließt, der seinen Mitgliedern vorschlug, alle Veranstaltungen vorerst abzusagen und nur allein zu Hause zu proben. Gelegentlich mit einer eingelegten CD, um sich das Orchesterfeeling zu bewahren. Der Grund sind die steigenden Infektionszahlen, die zur Verschärfung der behördlichen Maßnahmen führten.

Nicht nur Sorge um die Gesundheit

Insgesamt sind in Vorarlberg 3500 aktive Sängerinnen und Sänger in rund 110 Amateurchören betroffen. Axel Girardelli lässt keinen Zweifel daran, dass man letztlich alles vermeiden will, was die Gesundheit der Bevölkerung gefährden könnte, andererseits sei es schwer zu sagen, ob beim Singen in der Tat eine größere Ansteckungsgefahr herrscht. „Ich kann Studien vorlegen, aus denen hervorgeht, dass die Gefahr minimal ist, andere besagen wieder nahezu das Gegenteil.“ Girardelli ist nicht bekannt, dass es konkret bei Chorproben oder Chorkonzerten der Amateure in Vorarlberg bislang zu Ansteckungen mit dem Coronavirus gekommen wäre.

In den letzten Wochen sah eine Chorprobe jedenfalls so aus, dass man sich bedeckt mit dem Mund-Nasen-Schutz auf einem zugewiesenen Sitzplatz am Ort eingefunden hatte. Nach Beendigung der Probe wurden die Räumlichkeiten umgehend wieder verlassen. Das gemütliche Ausklingenlassen einer Probe war und ist tabu. Hinzu kommt nun, dass die Masken durchgehend getragen werden müssen, was zusätzlich beschwerlich ist. Girardelli: „Bei einer Chorprobe unter Amateuren gelten dieselben Auflagen wie bei Veranstaltungen, differenziert wird nicht. Ich habe den Eindruck, dass die Kultur in der Politik nach wie vor ein Stiefkind ist.“

Stiller als erwünscht

Abgesagte Chorproben und damit auch Aufführungen bedeuten nicht nur, dass es nun gerade in der Advent- und Weihnachtszeit sehr still werden könnte, Girardelli macht sich auch Sorgen um weitere negative Auswirkungen auf die Veranstaltungen im professionellen Bereich oder das Leben überhaupt. „Es ist oft so, dass sich die Menschen beim Zusammentreffen vor oder nach den Proben darüber unterhalten, was in der Region stattfindet oder welche Aufführung man gerade erlebt hat. Dabei verabredetet man sich zu einem Konzert- oder Theaterbesuch, den man sonst nicht auf dem Terminkalender gehabt hätte. Diese Art der Motivation bricht damit weg.“

Wer sich mit dem Veranstaltungskalender des Chorverbandes beschäftigt, bemerkt, dass es bereits eine Reihe von Konzertabsagen gibt. Im Dezember stehen derzeit noch Auftritte verschiedener Chöre auf dem Programm. Axel Girardelli kann somit nicht zusichern, dass diese auch wirklich stattfinden werden. Darunter sind zahlreiche Advent- und Weihnachtskonzerte im ganzen Land und beispielsweise auch Auftritte des international mehrfach ausgezeichneten Landesjugendchores Voices, der eine enorme Fangemeinde hat, in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr.